Die astrale Welt

Vor mir lag die astrale Welt.
Trotzdem konnte ich nicht weggehen.
Ich saß hier bereits eine geraume Zeit, um nachzudenken.
Ein unsichtbarer Zuschauer, ein Mensch, war mir gefolgt, denn ich hatte seine Stimme deutlich gehört, da er zu mir gesprochen hatte.
Dort vor mir lag eine Stadt und links von mir sah ich einen Weg, der aufwärts führte zum Unbekannten.
Wenn ich jenen Weg beschritt, erwartete mich die Stille, aber eine andere Stille als die, die ich bereits kannte.
Doch ich sehnte mich nach Menschen, ich wollte Leben sehen.
Wie stürmisch es auch sein mochte, mir war alles recht, denn ich war zu lange alleine gewesen.
Noch immer fühlte ich diese furchterregende Stille in mir.
Nein, dorthin wollte ich nicht.
Diesem Weg, so unberechenbar er auch war, würde ich folgen.
Mir war klar, dass die entgegenwirkende Kraft, die ich gespürt hatte, seine Kraft war.
Diese Kraft hinderte mich daran, weiterzugehen.
Wie groß waren die Kräfte des Menschen, der auf der Erde gestorben war, dass sie einem anderen Wesen Einhalt gebieten konnten.
Ich fand es sehr erstaunlich und war erfreut, dass ich dies hatte erleben dürfen, obwohl ich nichts davon verstand.
Ich erinnerte mich an jedes Wort, das er zu mir gesprochen hatte.
Ich glaubte, dass diese Stille niemals ein Ende haben würde, und trotzdem befand ich mich nun in einer anderen Welt.
Wie erstaunlich war dieses Leben.
Nun verstand ich, dass ich die Jahre, die ich auf der Erde hätte leben sollen, in dieser leeren Welt hatte durchleben müssen, und als diese Zeit vorbei war, ging ich langsam in diese Welt über.
Das nun war meine Hölle.
Es brannte allerdings kein Feuer.
Wie natürlich löste sich alles auf.
Eine Ehrfurcht gebietende Gerechtigkeit hatte mich von der bewohnbaren Welt ausgeschlossen.
Ein Gesetz hatte ich brechen wollen, das nicht zu brechen war, und die Folgen davon hatte ich erlebt.
Darin fühlte ich das Gesetz von Ursache und Wirkung.
Ich selbst war die Ursache gewesen und die Folgen davon hatte ich gebüßt.
Dort in jener Stille hatte ich dies alles erlebt und dazu gehörte der Verwesungsprozess, was das Abscheulichste dieses Geschehens war.
Dieses Gesetz hatte ich kennengelernt, denn durch mein Leiden war ich wieder in Harmonie mit diesen Naturgesetzen gekommen.
So musste es sein, denn ich fühlte es.
Jenes Sich-Verdichten der Erde und des Lebens um mich herum fand ich merkwürdig.
Auf eine derartige Art und Weise waren womöglich der Mensch und alles andere Leben, das Gott geschaffen hatte, geboren.
Es verdichtete sich unter meinen Füßen, es wuchs über, links und rechts von mir heran, bis diese Welt für mich sichtbar wurde.
Das sanfte Rauschen schwoll zu einem gewaltigen Orkan an und das war, wie dieser Geist sagte, Leidenschaft und Gewalt.
Es war eine Hölle und in ihr lebten Menschen, die leidenschaftlich und womöglich teuflisch waren.
Wie abscheulich fand ich das.
Ein Mensch, der noch auf Erden lebte, würde dies nicht verstehen können, man musste es erleben.
Trotzdem würde ich das alles noch einmal erleben wollen, aber nun als Zuschauer.
Ich würde dieses Leben dann besser verstehen und all diese Kräfte kennenlernen, die ich mir sehr gerne aneignen würde.
Ich lebte erneut auf der Erde und doch war ich tot.
Aber die Erde dort vor mir war die astrale Welt.
Dort lebten Menschen und geistige Wesen zusammen, und ich gehörte zu denen, die den stofflichen Körper abgelegt hatten.
Ich war nun der astrale Mensch und war in der Welt, in der der Geist lebte.
Wie sehr hatte ich mich auf der Erde danach gesehnt und wie gerne hätte ich das kennenlernen wollen.
Nun war ich im Jenseits und hatte bereits viel erlebt.
Trotzdem wusste ich noch nichts von diesem Leben und war sehr neugierig, was mich erwartete.
Nun würde ich Menschen sehen und ihnen begegnen und das wollte ich.
Also machte ich mich auf den Weg und stieg hinab, dem Unbekannten entgegen.
Der Wind heulte, als ob Himmel und Erde vergingen.
Trotzdem hatte ich keine Angst, denn ich hatte mich bereits an dieses wilde Heulen gewöhnt.
Je mehr Leben und Lärm ich hörte, desto lieber war es mir.
Ich machte bereits eine neue Entdeckung, denn wenn ich an andere Dinge dachte, hörte ich fast nichts von dieser Gewalt.
Ich fühlte dann, dass ich gänzlich in das überging, woran ich dachte, sodass sich das Vorige auflöste und ich das andere akzeptierte.
Es war genauso wie damals, als ich meinem Stoffkörper verhaftet war.
Indem ich an andere Dinge dachte, ging ich selbst gänzlich in dies über und die Schmerzen und alles, was mit jenem Zustand zu tun hatte, ließen nach.
Dadurch konnte ich jenes schreckliche Leiden für mich lindern.
Auch nun erlebte ich das selbe Geschehen und diese Gewalt löste sich darin auf.
Merkwürdig war dieses Übergehen.
Schritt für Schritt ging ich weiter, ich hatte die Zeit, denn ich lebte in der Ewigkeit.
Aber nach jedem Schritt, den ich machte, fühlte ich, wie dieses neue Leben zu mir und in mich kam, und ich stieß tiefe Säufzer aus, denn es verschlug mir den Atem.
Das war die Gewalt, in die ich zurückkehrte.
Doch ich fühlte, dass ich ruhig wurde.
Dieses Übergehen probierte ich einige Male und so lernte ich, wie ich mich geistig einstellen und verbinden konnte.
Ich fand es herrlich und war glücklich, dass ich mir dies aneignete.
Ich hatte mich in nichts verändert, im Gegenteil, ich fühlte mich lebendiger.
Das kam dadurch, dass ich in einer anderen Welt lebte und etwas davon gelernt hatte.
Dies war Weisheit, geistiger Besitz, wovon ich auf Erden nichts wusste oder verstanden hatte.
Tausende von Fragen hatte ich dort gestellt und nicht eine einzige, die beantwortet worden war.
Nun verstand ich, dass sich all meine Fragen in mir selbst auflösen würden, wenn ich auf all diese Kräfte achtete und meine Augen gut offen hielt.
Ich war immer wissbegierig gewesen und das würde ich bleiben.
Ich fühlte nun, wie eine merkwürdige Stille in mich kam, und doch war ich in einer Hölle.
War es denn nicht so finster in mir?
Ich fühlte, dass ich mich veränderte.
Innerlich wurde ich anders, denn bevor ich hier eintrat, hasste ich.
Jetzt jedoch fühlte ich keinen Hass.
In dieser Stille lehnte ich mich auf und jetzt lag Ruhe in mir.
Seltsam, dachte ich, was für ein eigenartiges Wesen bist du.
Ich fühlte mich, als ob ich noch auf der Erde lebte, bevor das Schreckliche geschah.
War ich in dieselbe Gefühlsabstimmung zurückgekehrt?
Ich war dieselbe Persönlichkeit, ich hatte lediglich meinen irdischen Körper verloren.
Abgelegt wagte ich nicht zu sagen, denn ich hatte ihn vernichtet.
Für nichts empfand ich Hass, auch nicht für meine Eltern.
Eigenartig war dieses Gefühl und ich verstand nicht, wie das sein konnte.
Roni hasste ich und er mich, und doch, jetzt, da ich das alles verbüßt und erlebt hatte, war es, als ob ich ihn nicht gekannt hatte.
Er war weit von mir entfernt.
Im irdischen Leben konnte ich nicht von ihm loskommen, und jetzt, da ich zu ihm gehen wollte, fühlte ich, dass es nicht möglich war.
Eine unsichtbare Kraft hatte uns auseinandergerissen.
So empfand ich es, aber ob dies die Bedeutung war, wusste ich nicht sicher.
So, wie ich jetzt war, so hatte ich mich bei meinem ersten Lehrmeister gefühlt.
Damals war ich sehr glücklich, genauso wie jetzt, und dennoch hatte ich in der Finsternis gelebt.
Zwar war es hier ein wenig heller als dort in dieser Stille, aber groß war der Unterschied jedoch nicht.
Auch all die Qualen, die ich in der Stille gefühlt hatte, waren geringer geworden, wie etwa das Band um meine Kehle, ich hatte nur Hunger und Durst, aber auch nur dann, wenn ich daran dachte.
Daher fand ich meine Hölle gar nicht so schlimm, dies würde ich aushalten können, denn so unmenschlich war es nicht, auch wenn ich nicht das Licht besaß, von dem Emschor mir erzählt hatte.
Aber was hatte ich eigentlich verbrochen?
Ich hatte die Menschen nicht betrogen, nicht gefoltert, hätte das gar nicht gekonnt, und dennoch lebte ich in der Hölle.
Ich hatte getötet und meine Strafe verbüßt.
Schrecklich war meine Strafe auf der Erde gewesen, und noch furchtbarer auf dieser Seite.
Ich wurde nicht nur einmal, sondern zweimal bestraft.
War das noch nicht genug?
Könnte Gott mir all diese kleinen Sünden nicht vergeben?
Musste ich noch für etwas anderes büßen?
Ich meinte, dieses Problem zu fühlen.
Ich war in einer Hölle gelandet, auf die mein inneres Leben abstimmte, denn die Hölle, so sagte der Geist, ist dein inneres Leben.
Dann hatte ich nicht viel Schönes aus meinem Leben auf der Erde gemacht.
Wenn ich nicht getötet, meinem Leben kein Ende gesetzt hätte, wäre ich trotzdem hier eingetreten.
So war es, es konnte nicht anders sein.
Dies verstand ich völlig und akzeptierte es.
Merkwürdig war mein Gespräch mit Roni.
Ich sollte ihn geweckt haben?
Nur, weil ich an ihn dachte, war dies geschehen.
Er konnte mir nicht vergeben, wie gerne er auch wollte, aber danach sagte er zu mir, dass er mich hasste.
Auch das war seltsam.
Ich hatte das Gefühl, dass eine andere Macht sein bösartiges Gefühl mir gegenüber stillgelegt hatte, nur damit ich dies erleben würde.
Er lebte und war irgendwo, aber er war eingeschlafen, weil er das Bedürfnis hatte, zu schlafen.
Auch ich war eingeschlafen, und es kam mir wohl wie ein Jahrhundert vor, so hatte ich mich zumindest gefühlt, als ich wach wurde.
Das alles waren noch Rätsel, und vorläufig würde ich wohl nicht dahinterkommen.
Der Geist hatte mich mit Roni verbunden und dennoch verstand ich nichts davon.
Aber mir stand nicht der Sinn danach, aufs Neue mit dem Fragen nach Warum und Wozu anzufangen.
Das brachte mich nur aus der Fassung und ich wollte ruhig sein.
Meine Hölle war allerdings eine besondere Hölle, denn bald würde ich Menschen begegnen und könnte mich amüsieren.
Oder waren das auch Lügen?
Diesen Dämonen konnte ich nicht vertrauen, also würde ich eben abwarten.
Es verwunderte mich immer wieder, dass ich mich so ganz anders fühlte als früher.
War das, weil ich so viel gelitten hatte?
Hatte sich mein inneres Leben dadurch verändert?
Oder kam es dadurch, dass ich jetzt in diesem Leben weilte und meinen irdischen Körper abgelegt hatte?
Ich fühlte mich so herrlich ruhig.
Schon wieder Fragen, stets nur Fragen.
Ich sollte ein wenig vorsichtiger denken und diese Probleme so viel wie möglich meiden.
Dort in der Ferne meinte ich, die Silhouette einer Stadt zu sehen.
In dieser Finsternis konnte ich dennoch weit vorausblicken, was wiederum ein Wunder für sich war.
Ich erlebte hier nichts als Wunder und Probleme.
Es kam mir fast unglaublich vor, und doch sah ich eine Stadt mit vielen Türmen und Gebäuden.
Wo man sich auch aufhielt und wie finster es auch war, man konnte auf dieser Seite dennoch wahrnehmen.
Wenn es auf der Erde finster war, konnte man sogar die Hand vor den Augen nicht sehen.
Aber in diesem Leben war alles anders, auch ich selbst.
Und doch wieder nicht, denn ich dachte wie auf der Erde und fühlte mich genauso wie dort.
Ich hatte Arme und Beine, konnte hören und sehen und deutlich alles fühlen.
Doch in einem Punkt war ich privilegiert, eines war ausgeprägter als auf der Erde, lebendiger, und das war mein Gefühl.
Hier musste man alles fühlen, und wenn ich es fühlte, dann wusste ich es und verstand es vollkommen.
Selbst in der Finsternis meines eigenen Grabes hatte ich deutlich die Wirkung meines Stoffkörpers gefühlt und auch gesehen.
Diese Wirkung kehrte in meinen Geisteskörper zurück.
Ich musste das selbst verarbeiten und dieses Verarbeiten war Fühlen.
Das Durchfühlen war in diesem Leben Erleben.
Dachte ich an irgendetwas, so begann ich, es zu fühlen, und ging gänzlich in das über, woran ich dachte.
Auf der Erde hatte ich so niemals gelebt, nur, wenn ich unter starke Inspiration geriet, sonst nicht.
In den meisten Fällen tat ich alles unbewusst.
War das verkehrt?
Hier musste ich ganz ich selbst sein, sonst geriet ich in Disharmonie und diese ganzen stofflichen Qualen kehrten in mich zurück.
Hier konnte man nur an eine Sache gleichzeitig denken, auch das war mir bereits aufgefallen.
Auf diese Art und Weise würde ich fortfahren, denn ich glaubte, dass ich es verstand.
Ach, wenn ich das alles auf der Erde gewusst hätte!
Wie viel einfacher wäre mein Leben dort dann gewesen, ich hätte es mir nicht so schwer gemacht.
Aber was wusste man dort von einem Himmel und einer Hölle?
Doch nichts.
Wo war eigentlich der Himmel und wo war Gott?
Ich hatte gedacht, vor Gottes Thron erscheinen zu müssen, doch auch das waren Lügen.
Es war kein Gott zu mir gekommen, um mir Fragen zu stellen, und dennoch wurde uns dies gelehrt.
Auf der Erde hatte ich nicht auf die Geistlichen gehört und trotzdem hatte man mir noch keine Frage gestellt.
Keinen Geist, keinen Menschen, keinen Gott hatte ich gesehen.
Nun lebte ich in der Hölle, aber sogar der Teufel war gar nicht da.
Was verkündeten die Geistlichen auf der Erde denn für einen Unsinn.
Sie wussten nichts darüber und dennoch taten sie so, als hätten sie die Weisheit gepachtet.
Die Christen, die ihren Glauben nicht annahmen, wurden gebrandmarkt, gefoltert und getötet.
Das tat man wegen all dieser Lügen!
Wie dumm, wie schrecklich dumm ist der Mensch.
Hier in diesem Leben lernte ich, das einzusehen.
Für ihren Unsinn wurden zahlreiche Menschen umgebracht.
Traurig war das.
Aber ich musste diese Wahrheit akzeptieren, denn ich sah weder Gott noch Geist oder Teufel.
Auch waren da kein Feuer und keine Verdammnis.
Nichts als Lügen und Unsinn, was sie verkündeten.
Trotzdem war es merkwürdig, dass ausgerechnet diese Dämonen in dem Punkt die Wahrheit gesagt hatten.
Vielleicht fanden auch sie das schrecklich.
Dass sie echte Teufel waren, stand für mich fest, denn sie hatten mich in die Falle gelockt und das hatte mir viel Leid und Schmerz beschert.
Dieser eine Teufel schien sehr großes Interesse an meinem Untergang zu haben, denn als es geschehen war, ging er fort und rief nichts anderes, als dass Rache süß sei, was ich nicht verstand.
Auch kannte er mich, denn er nannte mich bei meinem Namen.
Es freute mich, dass es keine Verdammnis und kein Feuer gab, und allein schon dafür konnte ich Gott lieb haben.
Dies war ein ganz anderer Gott als der, den man auf der Erde kannte.
Dieser war milder, besaß mehr Liebe, und Er war Liebe, wie der Geist Emschor mir sagte.
Aber Sergius (Fußnote in der ersten Ausgabe: Sergius damals Oberhaupt der Kirche) verkündete Verdammnis, ewiges Brennen und völlige Vernichtung.
Ach, ihr Narren, ihr Nachbeter, ihr wisst nichts.
Ihr macht den Menschen Angst.
Ihr denkt, dass ihr richtig handelt, doch ihr handelt falsch.
Das ist nicht der Weg.
Ihr seid blind, geistig blind, und eure Herzen sind kalt und gefühllos.
Das hatte ich in dieser kurzen Zeit, in der ich hier war, bereits gelernt.
Wo würden diese Menschen leben, wenn auch sie einst auf der Erde sterben?
Im Himmel?
Bei Gott?
Weil sie ihr ganzes Leben lang die Unwahrheit gesagt hatten?
Das wäre ja wohl etwas Rechtes und eine große Ungerechtigkeit.
Das würde und könnte Gott nicht dulden.
Gott ist gerecht, so sagte man, und das wäre ungerecht.
Dann wäre Gott falsch und allen Menschen gegenüber nicht ehrlich.
Wenn diese ganzen falschen Verkündiger des Glaubens in den Himmel kämen, müsste auch ich dort sein, und ich war nicht dort, denn ich war in der Hölle.
Wenn man nicht gläubig war, wurde man in einen Kerker geworfen und gefoltert.
Sieh, das schien mir die größte Ungerechtigkeit zu sein, die es gab.
Auf der Erde hatte ich einen Glauben annehmen müssen, sonst hätten sie auch mich umgebracht, obwohl ich dort in Ruhe an meiner Kunst arbeiten wollte.
Andernfalls hätte ich es ganz gewiss nicht getan, denn ich spürte dort bereits die Widersprüchlichkeit.
Es war schon wirklich schade, dass mein Leben so frühzeitig beendet wurde.
Mein letztes Kunstwerk hatte ich nicht mehr fertigstellen können.
Wenn ich meinen Zustand mit all diesen Menschen verglich, dann fühlte ich, dass ich nicht gut war, aber auch nicht schlecht.
Ich befand mich zwischen dem Guten und dem Schlechten.
Deshalb war meine Hölle nicht so unmenschlich.
Wenn jeder Mensch seinen Himmel und seine Hölle in sich trug, dann gab es hier Millionen von Höllen und Himmeln.
Denn wo waren all die Menschen, die auf der Erde gestorben waren?
Doch sicher hier?
Trotzdem war ich allein, sehr allein.
War ich nicht wach, nicht bewusst?
Lebte ich noch stets im Unbewussten?
Waren Roni und Marianne schlechter als ich?
Oder war es gerade umgekehrt?
Wohin Marianne wohl gegangen ist?
Immer wieder dachte ich an diese beiden.
Und meine Eltern, lebten sie noch?
Hatte Marianne meine Skulptur mit nach Hause genommen?
War auch sie bereits gestorben?
War sie auch tot, wie ich?
Ich hatte sie wirklich lieb und sollte Gott dann meine Liebe vernichten?
Ob Gott nicht haben wollen, dass ich sie lieb hatte?
Ob sie einen anderen Himmel oder eine andere Hölle empfangen hatte als ich?
Ich dachte, dass ich ihr begegnen würde, und das war nicht geschehen.
Wie liebte ich sie!
Würde sie die Meine sein?
Würde sie mich so lieben wie ich sie?
Gehörte sie zu mir und waren wir eins?
Ich fing wieder an, Fragen zu stellen, und ich wusste nicht einmal, ob sie schon tot war.
Und doch kam dieses Gefühl in mir auf und ich fühlte das am stärksten.
Wenn ich diese Gefühle von Leben und Tod wiegen müsste, dann wäre der Tod am schwersten.
Denn den fühlte ich am deutlichsten.
Wie unbegreiflich, dachte ich, ist doch dieses Leben.
Ich wagte nicht mehr, wie früher zu denken, und doch fand ich Gott seltsam, sehr seltsam.
Ich kannte Ihn jetzt noch weniger als auf der Erde, weil hier alles anders war.
Doch ich hatte Ehrfurcht, allein schon, weil Dinge geschehen waren, die Wahrheit enthielten.
Denn der Geist, der mich im Voraus gemahnt hatte, meinem Leben kein Ende zu bereiten, weil ich dann viel zu leiden hätte, hatte die Wahrheit gesprochen.
Der wusste also mehr von diesem Leben als ich, und so musste ich auch akzeptieren, dass Gott Liebe war.
Derselbe Geist, der irgendwo war und mir gefolgt war, dessen Stimme ich gehört hatte, dieser Geist verkündete die Wahrheit und spornte mich an, ein wenig vorsichtiger über Gott zu denken.
Mich bewusst ins Unglück zu stürzen, danach stand mir nun gar nicht der Sinn.
Dieser Gott war jedenfalls ein anderer als der Gott meiner Eltern.
Ihr Gott war ein Herrscher, ein Gott, der allein sie und ihr Geschlecht lieb hatte.
Und solch ein Gott bedeutete mir nichts, vor dem empfand ich keine Ehrfurcht.
Wenn ich mein eigenes Inneres mit ihrem Gott verglich, stand ich höher als ihr Gott und besaß eine andere Mentalität.
Das alles ging nunmehr in mir vor, jetzt, da ich in diese Welt eingetreten war.
Das größte Problem war für mich gelöst, und das war Gott.
Ich kannte Ihn zwar nicht, aber was ich erlebte, gab mir die Kraft, anders zu denken.
Der Gott meiner Eltern war ein schrecklicher.
Der folterte und wollte aus mir einen Herrscher machen.
Schon als Kind hatte mich das angewidert und ich war sehr dankbar, dass ich davor bewahrt worden war.
Gerade hatte ich wieder etwas Neues gelernt und das war für mich sehr erstaunlich.
Als ich an Gott dachte, schaute ich unwillkürlich nach oben, ganz innig zum Himmel, denn dort würde Gott wohnen.
Und während ich daran dachte und mich danach sehnte, da hindurchblicken zu dürfen, fühlte ich mich plötzlich hochgehoben und schwebte einige Meter über der Erde.
Es war ein merkwürdiges Geschehen.
Die Schwerkraft war für mich aufgehoben.
Seltsam, sagte ich zu mir, was werde ich nun wieder erleben?
Danach probierte ich es viele Male und ich kam immer höher, aber es blieb finster.
Ich lernte auch noch andere Kräfte kennen, denn wenn ich schnell dachte und schnell aufwärts gehen wollte, dann konzentrierte ich mich darauf, und dann ging ich in schneller Fahrt in die Höhe.
Waren dies die Kräfte des Geistes, so fragte ich mich, oder kamen sie vom Teufel?
Mich schauderte bereits bei dem Gedanken, dass ich mir Teufelskünste aneignen würde, denn das wollte ich nicht.
Ich wollte vorwärts, geistig höher kommen, aber nicht tiefer sinken.
Dann würde ich lieber weiterhin wandeln, immer nur gehen, als mich mit diesen Künsten ins Unglück zu stürzen.
Trotzdem machte ich es wieder, denn ich fand es amüsant.
So hoch, bis sich diese Finsternis auflösen würde, konnte ich nicht gehen, daher blieb stets Dunkelheit um mich herum.
Dies gehörte zu den vielen anderen Eigentümlichkeiten, die ich kennenlernen sollte.
Ich wandelte nun weiter und bald würde ich die bewohnte Welt erreichen.
Ich ging jetzt noch schneller als zuvor, denn ich stellte fest, dass ich diese Kräfte auch beim Weitergehen nutzen konnte.
Ich schwebte mehr als ich ging.
Die Erde fühlte ich nicht mehr.
Auch das war merkwürdig.
Auf der Erde hätte ich das nicht gekonnt.
Dort diente uns das Ross und jenes edle Tier tat, was der Mensch wollte.
Auch dieses Weitergehen wiederholte ich einige Male und ich ging immer schneller.
Ich fiel von einer Verwunderung in die andere.
In einiger Entfernung von mir sah ich einen Menschen, der in dieselbe Richtung ging wie ich.
Ich war sehr neugierig, ob es ein Mensch von der Erde oder ob es der astrale Mensch war.
Als ich etwas näher herankam, sah ich, dass es eine Frau war.
War sie gestorben oder lebte sie noch auf der Erde?
Ich war nah an sie herangekommen und hüstelte einmal kurz, doch sie hörte mich nicht.
Sie störte sich an nichts und ging weiter, immer nur weiter.
Ob Geist oder Stoffmensch, ein Mensch war sie.
Doch ich wollte, dass sie mich wahrnahm, vielleicht konnte ich ihr einige Fragen stellen.
Als ich neben ihr herging, sprach ich sie an, aber sie blieb taub und war offenbar auch blind, denn sie hörte und sah mich nicht.
Sie ging in Gedanken weiter und tat, als wäre ich nicht da.
Eine merkwürdige Erscheinung, dachte ich.
Nun versuchte ich, ihr von der anderen Seite entgegenzukommen, dann müsste sie mich sehen und konnte mich nicht ignorieren.
Als ich einige Schritte voraus war, kehrte ich um, aber auch jetzt sah sie mich nicht.
Lebte sie noch auf der Erde?
Dann verstand ich, dass sie mich nicht wahrnehmen konnte, denn die Geister waren für den Menschen, der im Stoffkörper lebte, nicht sichtbar.
Einzelne hatten auf der Erde Geister gesehen, aber ich gehörte nicht zu ihnen.
Auch sie war blind wie all diese anderen Menschen.
Ich ging weiter dicht neben ihr, ich als gestorbener Mensch, während sie noch im Besitz ihres Stoffkleides war.
Ich fand es sehr interessant, einen Menschen von der Erde zu sehen, und nun begriff ich erst, wie tief das geistige Leben hinter diesem Schleier verborgen lag.
Der Schleier, der diese Welt verbarg, war für sie undurchdringbar.
Wie hatte ich doch nach all diesen Problemen gesucht.
Vom frühen Morgen bis zum späten Abend, und trotzdem war ich nicht dahintergekommen.
Es war also ganz normal, dass sie mich nicht sah.
Ich war nun in jenes unbegreifliche Leben eingetreten.
Früher oder später kamen sie alle hierher und sie würden es genauso seltsam finden wie ich.
Dieser Mensch ging jedoch immer weiter und ich ging weiter mit ihr mit, denn ich war gespannt, wohin sie ging.
Sie trug ein prächtiges Kleid, genau wie meine Mutter es getragen hatte.
Ich verstand dadurch, dass sie zu den höchsten Kreisen gehörte, denn diese Tracht war sehr kostbar.
War es Tag oder Nacht auf der Erde?
An ihrem Tun und Lassen stellte ich fest, dass es Tag war.
Sie würde am Abend oder in der Nacht so nicht weggehen können.
Die Stadttore wurden pünktlich geschlossen, und wer nicht rechtzeitig drinnen war, musste draußen bleiben oder mit den nötigen Papieren ausgestattet sein.
War sie eine Fremde?
Ich fand sie so eigenartig!
Wieder sammelte ich neue Erfahrungen.
Wir gingen immer weiter.
Bald würden wir durch die Stadttore hineingehen.
Trotzdem versuchte ich noch einmal, zu ihr zu sprechen, und fragte: „Sind Sie von der Erde?“
Aber sie blieb taub und blind.
Es dauerte ziemlich lange, bis sie ihr Ziel erreicht hatte.
Eine geraume Zeit gingen wir nebeneinander weiter, aber dieser Spaziergang schien kein Ende zu nehmen.
Dieses Weitergehen fing jedoch an, mich zu langweilen.
Wohin ging sie?
Stunden waren wir schon unterwegs.
Hatte das etwas zu bedeuten?
Je weiter wir kamen, desto dichter wurde die Stadt vor mir.
Doch war dieses Bild ein anderes als das, welches ich zunächst wahrgenommen hatte.
Was bedeutete das nun wieder?
Ich wollte die bewohnbare Welt sehen und ich ging immer nur weiter, sodass dieser Spaziergang kein Ende nahm.
Auch für sie nicht.
Ich fühlte, dass ich vor einem neuen Problem stand.
Ha, da fiel mir etwas ein, ich dachte nicht ungetrübt.
Ich dachte an alles und jeden, aber nicht an die Erde, nicht an das, woran ich denken musste.
Auf diese Art und Weise würde ich es nie schaffen, denn meine Gedanken zerrannen.
Ich war auf dem Weg und nicht auf dem Weg.
Aber was war mit ihr?
War sie kein Mensch von der Erde, kein stoffliches Wesen?
Nochmals schaute ich sie an und erschrak.
Tiefe Traurigkeit lag auf ihrem Gesicht.
Ihre Augen waren leer und doch sahen sie, denn sie ging weiter, immer weiter, aber sie lief mit zur Erde geneigtem Kopf und war in tiefes Grübeln versunken.
Sahen diese Augen oder war sie eine Schlafwandlerin?
Ich befand mich in einer sehr merkwürdigen Situation.
Mir schien es, dass sie durch die Erde hindurchsah.
War ich wohl mit der Erde in Verbindung?
Ich begann, an mir selbst zu zweifeln.
Wer war sie und was war sie für ein Mensch?
Ein Geist, ein Problem?
Plötzlich meinte ich, dieses Rätsel zu fühlen.
Ich bemühte mich, ihr in ihrem Gedankengang zu folgen, und tatsächlich, ich fühlte es deutlich.
Sie war auf der Erde gestorben, denn in mich kam der Tod.
Nun verstand ich dieses Wunder.
Sie war eine Selbstmörderin und lebte in der Stille.
Ich war einer Selbstmörderin begegnet.
Weil ich mich nicht genug eingestellt hatte, erlebte ich es verkehrt.
Nun stellte ich mich auf die Erde ein und sofort verdichtete sich diese Welt, sodass ich die Erde vor mir sah.
Als ich mich wieder auf sie einstellte, aber dennoch mit der Erde in Verbindung blieb, sah ich, dass sie in einen Schleier gehüllt war.
Für mich war sie nun ein Schemen, so, wie ich die Dämonen in meinem Kerker wahrgenommen hatte.
Seltsam war dieses Geschehen.
Ein Mensch, der dem Leben ein Ende gesetzt hatte, eine Frau!
Ach, dir ist nicht zu helfen, denn nun verstand ich ihren ganzen Zustand.
Sie hätte Jahre weitergehen können und doch nähme es kein Ende.
Ich hoffte nur, dass sie auf der Erde keine hundert Jahre alt werden sollte, sonst wäre ihr Leid nicht absehbar.
Auch ich war auf diese Art und Weise weitergewandelt, also kannte ich ihr Leiden.
Sie musste erleben, denn hierin lebte sie ihr irdisches Leben zu Ende.
Nein, sie konnte mich weder hören noch sehen.
Doch einst würde diese Welt, in der ich nun war, sichtbar werden.
Wie traurig es auch für mich war, ich fand diese Welt dennoch erstaunlich.
Der Mensch, der Schluss machte, verschloss sich vor allem, was im Universum lebte.
Sie lebte nun in einem leeren Raum, wie ich.
Nichts, nichts war da, nur sie und ihre Gedanken.
Sie dachte und wandelte immer nur weiter, jahrein, jahraus.
Doch es nahm kein Ende!
In ihr sah ich mein eigenes Leid und all mein Elend abermals an mir vorüberziehen.
Jetzt, da ich dies wahrnahm, verstand ich mein eigenes Leben erst richtig.
Wie großartig war das!
Alles, was ich bis jetzt erlebt hatte, war großartig und erstaunlich.
Sie hatte Gift gewählt und ich den Strick.
Als ich daran dachte, fühlte ich wieder, dass ein stechender Schmerz in mich kam.
Indem ich daran dachte, kamen jene Schmerzen in mich zurück, und wenn ich wieder an andere Dinge dachte, ging es wieder vorbei.
Dieses Erfühlen war immer wieder merkwürdig, aber auf diese Art und Weise sollte ich weitermachen.
Ich hatte von dieser Situation gelernt, mich auf verschiedene Weise zu verbinden.
Was mich interessierte, fühlte ich.
Die erstaunlichsten Dinge kamen in mich.
In mich kam ihr Leben, sobald ich an sie denken wollte.
Deutlich ging ich allem nach, denn durch alles dies musste ich lernen.
Was ich erlebte, war traurig, aber daran war nun einmal nichts zu ändern.
Dort wandelte Leid und tiefes Elend, ein menschliches Wrack!
Sie war tot und doch lebte sie.
Doch auch in ihrem Leben war sie sich allem unbewusst, was um sie herum war.
Sie war blind und taub, allein und verlassen, nichts war sie.
Ich setzte mich nieder und schaute sie weiter an.
Sie ging immer weiter.
Dort lief ein menschliches Problem, das allein ich kannte und das nichts als Kummer war.
Ich konnte nicht in Worten ausdrücken, wie ich sie sah.
Sie wandelte in der Stille ihres eigenen Grabes, sie war durch nichts aufzuhalten.
Auch sie wusste, was der Verwesungsprozess bedeutete.
Sie hatte erlebt, dass sich ihr mütterlicher und göttlicher Körper zersetzt hatte.
Ach, Mensch, wie bist du dazu gekommen?
Durch Liebe?
Hat man dein Herz gebrochen?
Hat das Leben auf der Erde dich vernichtet?
Es konnte dort so schön sein, doch ein Mensch zerstörte das Leben des anderen.
Ich hatte getötet, aber man hatte mich dazu gezwungen.
Mein Liebstes wurde besudelt.
Wer hätte sich beherrschen können?
Und doch, nun wusste ich es, hätte ich das tun müssen.
Ich hätte mich nicht gehen lassen dürfen.
Roni war tot und ich kam in dieses ganze Elend.
Doch es war besser, nicht mehr daran zu denken, es war vorbei und ich hatte meinen Kampf gekämpft.
Auch diese arme Frau war dabei, ihre Sünden zu büßen.
Aber danach, wo würde sie eintreten?
Geriet sie noch tiefer in diese Finsternis?
Auch das verstand ich nun.
Wenn sie das alles abgelegt hatte, kam sie zunächst in ihre direkte Abstimmung.
In einen Himmel oder in eine Hölle würde sie kommen.
Dann erst begann für sie dieses Leben, dann ging sie in dieses und das wirkliche Leben über.
Es passte überraschend gut zusammen.
Diese Gesetze waren Gottes Gesetze, daran konnte man nichts ändern.
Sieh sie dort gehen, diese Arme!
Ich sah sie immerfort, aber wenn ich an andere Dinge dachte, war sie unsichtbar für mich.
Trotzdem war sie da, ging sie weiter, immer weiter, obwohl diese Hölle dann unsichtbar für mich war.
So gab es womöglich unzählige unsichtbare Höllen und die wollte ich später kennenlernen.
Es war der Mühe wert, alles über dieses Leben zu wissen, wie dies alles geregelt wurde und wie die Menschen waren, die darin lebten, und was sie getan hatten, um da hineinzukommen.
Wohl verstand ich, dass sie alle Sünder waren.
Hoch abgestimmte Wesen lebten im Himmel.
Dieser war weit weg von mir.
Gab es genauso viele Himmel wie Höllen?
Das alles würde ich einst erfahren.
Wie fantastisch war es, kaum zu glauben, und dennoch, jetzt, da ich dies alles sah, musste ich es wohl akzeptieren.
Sie trug ihre irdische Kleidung, aber wie konnte das sein?
Sie lebte doch in der Ewigkeit?
Schon wieder ein neues Problem!
Nun sah ich auf mich selbst.
Dass mir das nicht eher aufgefallen war.
Auch ich trug mein Gewand wie auf der Erde.
Es hatte sich absolut nicht verändert.
Wie war dies möglich?
Welch ein Wunder!
Ich war tot und trotzdem trug ich mein irdisches Gewand.
Das gehörte zum irdischen Leben.
Ich hatte keinen Augenblick daran gedacht.
Aber auch das war mir klar, denn ich würde nur das erleben, woran ich dachte.
Das änderte aber nichts daran, dass es zur Erde gehörte.
Ich war nicht nackt, trug Kleidung, fühlte mich wie auf der Erde, und dennoch war ich Geist.
Erstaunlich ist dies alles, so dachte ich, wie mächtig ist Gott, dass er den Menschen mit allem versorgt, und ich begann, stets mehr Ehrfurcht vor dieser Allmacht zu empfinden.
War auch das ein Gesetz?
Ein merkwürdiges Gefühl durchströmte mich, jetzt, da ich dies alles wusste und festgestellt hatte.
Das waren Wunder, die man nur in diesem Leben erleben konnte.
Es war Konzentration, nichts anderes als Denken und Fühlen.
Auf tausend Dinge musste ich achten.
Wer sollte aber daran nun denken, denn wenn ich ihr nicht begegnet wäre, hätte ich niemals darüber nachgedacht.
Doch es war so natürlich, und gerade weil es so natürlich war, dachtest du nicht daran und fiel es nicht auf.
Wie erstaunlich war es: Wenn man hier wach wurde, trug man sein irdisches Gewand.
Aber wie dies möglich war, verstand ich noch nicht.
Ich bewunderte mich selbst und hielt mich selbst für ein Problem.
Wie viele Wunder und Probleme hatte ich schon erlebt, und doch war ich erst so kurz hier.
Bei jedem Schritt, den ich vorwärtsging, erlebte ich ein anderes Wunder, sodass ich nicht aufhören konnte, darüber nachzudenken.
Nun konzentrierte ich mich wieder auf die Frau und sah sie sogleich.
Sie war weit von mir entfernt, und dennoch sah ich sie deutlich vor mir.
In dieser Stille hatte auch ich dieses Gewand getragen.
Aber ich hatte nicht darauf geachtet und es war mir nicht aufgefallen.
Daran musste ich in Zukunft gut denken, denn woran ich dachte, das sollte ich erleben; was ich zu sehen, anzutreffen, zu hören wünschte, geschah.
Ich fühlte mich glücklich, denn nun war ich vorbereitet auf die Dinge, die ich noch erleben würde.
Von hier aus sah ich ihr verbissenes Gesicht und ihr Weitergehen war abscheulich.
Jetzt, da ich mich noch stärker konzentrierte, fühlte ich sogar ihre Gedanken.
Indem ich sie fühlte, denn so funktionierte das, verstand ich sie gänzlich.
Erst fühlen, und dann verarbeitete ich ihre Gefühle, die in Gedanken in mich kamen.
Diese Gedanken waren ihre, es war ihr Leben und ich ging folglich in ein anderes Leben über.
Auf der Erde schaffte man das nicht.
Dort sah man nur so auf den Menschen, wie er war, also äußerlich, aber innerlich konnte man nicht in den Menschen absteigen.
Hier, ich fühlte dies sehr deutlich, gab es keine Geheimnisse mehr und der Mensch konnte sich nicht verbergen.
Ich sah und fühlte in ihrem Leben, und dieses Sehen und Fühlen an sich war schon ein Wunder.
Auch begriff ich, dass der Mensch auf der Erde sich selbst nicht kannte.
Wie viele Geheimnisse gab es doch im Menschen!
Dafür musste man Gott schon dankbar sein.
Der Mensch besaß viele Eigenschaften, doch die Eigenschaften, die ich jetzt erlebte, kannte man auf der Erde nicht.
Im Leben auf der Erde war der Mensch ein großes Problem, so auch hier, aber in diesem Leben ging man in jene Probleme über, nein, man erlebte sie.
Der Mensch war ein Wunder und ein Problem!