Ich besuchte Marianne und Roni auf der Erde

„Jetzt sind wir beim Größten und Höchsten für Euch angekommen, und zwar, wo Marianne und Euer Bruder Roni sind.
Doch Ihr müsst noch ein wenig Geduld haben, denn sie sind noch nicht auf der Erde geboren.
Ich gehe fort von Euch, werde jedoch wiederkehren, wenn ich die Angaben und Gefühle empfangen habe und die Verbindung mit ihnen möglich ist.
Auch ist es so weit, Eure Eltern, von denen Ihr Euren Namen Lantos empfangen habt, zu besuchen.
Sucht Euer Glück in der Natur, macht Euch all diese Eigenschaften und Weisheit zu eigen und kommt zu Euch selbst.
Ich komme wieder, mein Lantos.
Euer Emschor.“
Der Meister ging fort und ich wusste, wohin er ging.
Zurück zu seiner eigenen Sphäre, die weit, ganz weit von meiner entfernt war.
Doch ich werde dorthin kommen und dort hineingehen, denn ich will an mir arbeiten.
Nun stand ich vor dem großen Ereignis, dass ich auf der Erde Marianne begegnen würde.
Sie stand dort im Begriff, ihren Kreislauf zu vollenden.
Sie und Roni gemeinsam.
Erstaunlich, großartig und tief war alles, und doch so natürlich und einfach.
Jetzt, da ich dies wusste, verstand ich all diese Zustände auf der Erde.
Es gibt keine Gefühle, wie unbegreiflich sie auch sind, um deren Bedeutung man auf dieser Seite nicht wusste.
Alles liegt in der menschlichen Seele, der Seele, die das Leben und auf dieser Seite Geist ist.
Großartig war es und trotzdem so einfach.
Wie lernte ich nun das Leben kennen.
Die Seele lebte auf der Erde in beiden Körpern.
Für den Menschen (ist) alles zu erstaunlich, um es zu akzeprtieren.
Trotzdem ist es die Wahrheit, denn ich hatte es erlebt.
In meiner Mutter wurde ich wach.
Ach, mein Gott, wie mächtig bist Du, oh Herr, wie winzig der Mensch, der Dich verflucht.
Ich war ein anderes Wesen geworden und jetzt fühlte ich mich bewusst, aber ich fand kein Ende beim Nachdenken.
Seele, Geist und dann Mensch!
Leben, als Seele und Geist, sank in den Stoffkörper hinab.
Sieh, wie es erwacht!
Fühle jenen mächtigen Prozess und denk einmal daran, was du anziehst.
Fragst du dich bei der Geburt deines Kindes, woher bist du gekommen?
Bist du ein vorweltliches Tier?
Bist du grobstofflich oder geistig oder gehörst du zu einer anderen Mentalität?
Bist du auf die Erde gekommen, um zu zerstören?
Um wiedergutzumachen?
Für Leidenschaft oder Gewalt?
Wofür, oh Seele, kehrst du zur Erde zurück?
War ich früher deine Schwester, dein Bruder oder dein Feind?
Habe ich dich in deinem früheren Leben getötet?
Was muss ich tun, wenn ich dies alles verstehen will?
Ich weiß es nicht, doch ich werde dich lieb haben.
War ich einst dein Vater oder deine Mutter?
Ach, junges Leben, wer bist du?
Ich werde dich annehmen, denn Gott weiß, wofür du bei uns lebst.
Ja, so dachte ich, Fragen über Fragen stellen und sich dennoch anheimgeben, alles annehmen, wie es auch sei, denn Gott ist Liebe.
Ich ging hinaus, obwohl ich in meiner Wohnung auch in der Natur war, denn hier ist und fühlt sich der Mensch eins in allem und mit allem, wo er sich auch befindet.
Ich unternahm nun zusammen mit meinen Schwestern und Brüdern ausgedehnte Spaziergänge.
Auch sie hatten all diese Wunder erlebt und erzählten mir von ihrem Leben auf der Erde.
Wochen, nein, Monate und Jahre vergingen, laut irdischer Berechnung.
Noch war mein Meister nicht zurückgekehrt und so lernte ich in jener Zeit meine eigene Abstimmung kennen.
Ich werde Ihnen all das nicht beschreiben, da der Meister, der mir in diesem Augenblick hilft, dies aufzuzeichnen, es durch sein Instrument bereits getan hat.
Ich folge meinem eigenen Leben und muss meinen eigenen Erlebnissen folgen, da Meister Emschor es mir aufgetragen hat.
Dann endlich war es so weit.
Ich fühlte, dass die Zeit nahte.
In meiner eigenen Wohnung durchlebte und meditierte ich all meine Erlebnisse.
Als ich auch damit fertig war, trat mein Meister ein und sagte: „Bruder Lantos, ich grüße Euch.“
„Ich grüße Euch, Meister Emschor.“
„Wir gehen zur Erde, für Euch beginnt das Schönste.
Jetzt ist es so weit.
Seid Ihr bereit?
Ich ließ es Euch aus der Ferne fühlen.“
„Ich habe es gefühlt, Meister, und bin Euch sehr dankbar.“
„Es werden für Euch schwierige Augenblicke kommen, bereitet Euch auch darauf vor.
Wisst, dass Ihr von diesem Augenblick an für lange oder kurze Zeit nicht in Eure Wohnung zurückkehren werdet.
Jetzt erst fängt Eure eigentliche Arbeit an.
Ihr werden auf der Erde Arbeit tun.
Vor allem Eure Zwillingsseele beschützen, und außerdem, dies alles beschreiben.
Von Zeit zu Zeit werdet Ihr in die Sphären zurückkehren, um neue Kräfte zu sammeln.
Doch viele Jahre werdet Ihr dort bleiben, bis auch sie hinübergehen wird.“
„Darf ich sie von dieser Seite aus beschützen?“
„Das ist Eure Arbeit, aber auch viele andere Menschen.
Ihr habt also eine schöne Aufgabe.
Wenn ich Euch mit Marianne und Roni und Euren Eltern verbunden habe, ist meine Aufgabe beendet.
Ich sagte Euch bereits, dass Euch auf der Erde von einem anderen Meister dabei geholfen werden wird, durch sein Instrument von Eurem Leben zu berichten.
Ehe es so weit ist, gehen wir für eine lange Zeit auseinander, doch Ihr wisst, wir sind auf ewig verbunden.
Wenn Ihr auf der Erde vor große und schwierige Probleme geratet, so wisst Ihr, wie Ihr mich erreichen könnt.
Jetzt gehen wir zur Erde.“
Wieder schwebte ich der Erde entgegen, jetzt jedoch, um eine Mission zu erfüllen.
Eine Aufgabe war auf meine Schultern gelegt worden, und für diese wollte ich mich mit aller Kraft und Liebe, die in mir war, gänzlich hingeben.
Bald waren wir auf der Erde und ich fühlte, wo ich mich befand.
Nun waren wir im Westen und ich erkannte das Land an der Sprache, die man sprach.
Lebte hier Marianne, in der Stille der ländlichen Ruhe?
Wir betraten ein Haus.
„Dort vor Euch“, sagte der Meister, „seht Ihr ihre Eltern.“
Ich sah zu ihnen, doch Marianne war nicht anwesend.
„Sie wird bald kommen, habt ein wenig Geduld“, sagte der Meister zu mir.
Ich wartete ab und nach einem kurzen Augenblick trat sie ein.
Mein Herz klopfte vor Sehnsucht.
Marianne, meine Zwillingsseele, meine ewige Liebe!
Neun Jahrhunderte hatte ich auf diesen Augenblick warten müssen.
Mein Meister fasste meine Hand und ich wusste, was dies zu bedeuten hatte.
Ich wurde mit ihr verbunden.
Deutlich sah ich ihr inneres Antlitz aus ihrem früheren Leben.
Man konnte es in diesem Stoffkörper wahrnehmen, jedoch von dieser Seite aus und nur für mich hatte dies eine Bedeutung.
Marianne war siebzehn Jahre alt.
Ich ergründete ihr Innenleben.
Sie besaß alles, was sie in ihrem früheren Leben gelernt hatte, tief in ihrer Seele lag ihre Sehnsucht, die Sehnsucht, das Eine zu empfangen.
Doch ach, wie weh tat es mir, sollte sie diese Liebe auch in diesem Leben nicht empfangen.
In diesem Leben hatte sie wiedergutzumachen und sollte eine Läuterung durchlaufen.
Ihr Stoffkörper war nun anders als in ihrem früheren Zustand, aber innerlich hatte sich in ihr nichts verändert.
Ich schaute in sie und nahm weiter in ihr wahr, und als ich ihr tiefes Inneres gänzlich kannte, kehrte ich zu mir selbst zurück.
„Ist sie es, Lantos?
Ist sie, die Ihr hier vor Euch sieht, Eure Marianne?“
„Ja, Meister, die Seele, die darin lebt, ist meine Marianne.“
„Ich will Euch noch etwas zeigen, aber erst dann, wenn sie sich im Tiefschlaf befindet, also nachher.“
Marianne besaß noch immer eine schöne Stimme, aber dennoch sollte sie nur noch zu ihrem Vergnügen singen.
Sie lebte auf der Erde, war aus dem Jenseits zur Erde zurückgekehrt und war bereits siebzehn Jahre alt.
Erstaunlich, großartig und kaum zu fassen.
Dennoch sah und erlebte ich auch dieses gewaltige Wunder.
„Kommt, mein Bruder, wir gehen weiter, ich habe Euch noch mehr zu zeigen.“
Daraufhin gingen wir fort.
„Wohin geht Ihr?“, fragte ich.
„Seid Ihr du nicht neugierig, zu erfahren, wo Roni lebt?“
Mein Gott, dachte ich, an ihn hatte ich nun nicht gedacht.
Wieder betraten wir ein irdisches Haus und ich sah ein Wesen.
„Seht“, sagte der Meister, „Euer Bruder Roni.
Er lebt in einem anderen Stoffkörper, trägt einen anderen Namen, spricht eine andere Sprache, doch ich werde Euch mit seinem vorigen Leben verbinden.“
Ich fühlte, wie ich erneut wegsank, wie ich es bereits viele Male erlebt hatte, und ich trat bewusst in mein früheres Leben ein.
Ich sah den Augenblick einer furchtbaren Szene vor mir, ein entsetzliches Geschehen, durch das ich so viel gelitten hatte.
Seinen Tod und mein irdisches Ende.
Aus ihm strahlte diese Wahrheit in mich.
Ich hörte dann meinen geistigen Leiter sagen: „Akzepiert Ihr, Bruder Lantos, dass es Roni ist, den Ihr dort vor Euch seht?“
„Ja, Meister.“
„Fühlt Ihr, dass die Vergangenheit tief in ihm liegt?
Ich habe Euch verbinden dürfen, und auch jetzt, mithilfe der Meister.
Derjenige, der dort vor Euch steht, ist Euer Bruder Roni.
Er wird büßen und Marianne wird büßen und sie werden wiedergutmachen, was sie beide einst verbrochen haben.“
Ich erschrak.
Hart war diese Wahrheit, dennoch musste ich akzeptieren.
Ich hatte bereits einen Entschluss gefasst und dies alles in den Sphären überdacht.
Ich war vorbereitet, da ich wusste, dass ich dies einst erleben sollte.
„Kommt, mein Lantos, wir gehen weiter.
Nachher könnt Ihr zu ihm zurückkehren.
Ich soll Euch mit anderen Wesen verbinden, danach gehe ich fort.“
„Bleiben wir in diesem Land?“
„Ja, nicht weit von hier entfernt leben Eure Eltern.“
Wir schwebten weiter und betraten abermals eine irdische Wohnung.
Die Menschen konnte man stets in ihren Wohnungen finden.
In den Sphären waren wir in der Natur, aber alles war dort anders.
„Sie ist nicht hier, ich fühle aber dennoch, wo sie sich in diesem Augenblick befindet.
Kommt, folgt mir.“
Ich hatte bereits gesehen, wo wir waren.
Die vornehme Dame von früher war in diesem Leben ein gewöhnlicher Mensch, und zwar der einfachste Mensch, der man auf der Erde sein kann.
Ihre Aufgabe war, die Sorgen ihres Ehegatten zu tragen.
Großartig war die Szene, die ich jetzt wahrnahm.
„Seht“, sagte mein geistiger Leiter, „da ist Eure Mutter.
Sie ist damit beschäftigt, ihre Gefühle und all ihre Liebe in ihre Arbeit hineinzulegen.
Sie arbeitet auf ihrem Stück Land und bepflanzt es und besitzt auch einige Tiere.
Kommt zu mir, ich will es Euch zeigen.“
Wieder sank ich in die Vergangenheit.
Vor mir sah ich ein Bild erscheinen, das ich erkannte.
Es war der Augenblick, als ich fortging und zu jenem Entschluss gekommen war.
Ich sah ihr verbissenes Gesicht und fühlte ihr kaltes Herz, denn sie ließ mich fortgehen, ohne etwas zu sagen.
Nach diesem Bild wurde ich mit dem Leben verbunden, in dem sie jetzt lebte.
Sie war noch immer kalt, sehr kalt, und besaß wenig Liebe.
Gott hatte ihr eine andere Lebensaufgabe aufgetragen.
In diesem Leben musste sie ihr Brot selbst verdienen, indem sie hart dafür arbeitete.
Ihr Mann war Landwirt.
Sie hatten Vieh und ein Stück Land und all die Dinge, die dazugehörten.
Ich sah ihre schwieligen Hände, ihren krummen Rücken und ihr müdes und erschöpftes Gesicht.
Sie ging gebückt unter ihren Sorgen und ich hörte sie fragen und rufen: „‚Warum und Wozu“ müssen wir so hart arbeiten.
Aber ich hatte kein Mitleid mit ihr, denn sie musste erwachen und beginnen, Liebe zu empfinden.
Hierdurch würde sie andere Gedanken bekommen.
Großartig war es, was ich auch hier wahrnahm.
Meine Mutter aus einem früheren Leben!
Unglaublich, und doch Wahrheit, die heilige Wahrheit, ich musste dies akzeptieren.
Dort hinten sah ich ihren Mann, er litt unter ihren Launen, denn von ihm strahlte mir Liebe entgegen.
Er würde sie wärmen und durch seine Liebe würde sie sich verändern.
War er mein Vater?
Als ich hieran dachte, sagte der Meister: „Nein, er ist nicht Euer Vater, aber wir werden ihn besuchen.“
Kinder waren hier nicht, obschon ich fühlte, dass sie gerne welche hätte, doch sie sollte keine Kinder bekommen.
Das traf mich tief, denn ich dachte zurück an mein Leben.
Damals machte sie sich nichts daraus, und nun sollte sie sich danach sehen, immer nur sehnen, und doch bekam sie keine Kinder.
Wieder etwas, und zwar ein mächtiges Geschehen, um sie wachzurütteln.
Gottes heilige Leitung durchzitterte mich bis tief in meine Seele.
Gott wusste alles.
Ich sah ein Problem und ein Wunder und beide kannte ich.
Lange verweilte ich an ihrer Seite.
Ich sollte zu ihr zurückkehren und sie von dieser Seite aus beobachten.
Reine Gedanken sandte ich zu ihr und wünschte ihr Kraft, zu tragen.
Gebe Gott, dass du erwachst.
Wenn sie um Hilfe riefe und das Leben auf der Erde ihr das Herz brach, würde ich kommen und ihr beistehen.
Stets werde ich mich mit ihr verbunden halten und unverzüglich helfen können, wenn es möglich wäre.
Leb wohl, Mutter, deinen Hochmut musst du noch ablegen und dir zugleich Liebe zu eigen machen.
In diesem Leben kannst du nicht feiern, das alles ist vorbei.
Wenn du wüsstest, wer du einst warst, hättest du dein Haupt längst geneigt haben.
Aber noch ist dies nicht möglich.
„Darf ich zu ihr zurückkehren, Meister?“
„So oft Ihr wollt.“
„Danke“, sagte ich.
„Ich werde sie beschützen, denn auch das gehört zu meiner Aufgabe.“
„Kommt, Lantos, wir gehen weiter.“
Ich verstand, denn ich sollte meinen Vater sehen.
In schnellem Flug verließen wir dieses Land und ich sah, dass wir uns in den hohen Norden begaben.
Lebte mein Vater hier?
Weit auseinander und doch auf der Erde.
Erstaunlich fand ich es, dass mein geistiger Leiter sie alle wiederfand.
Mein geistiger Leiter ging zum Hafen und suchte dort mehrere Schiffe auf.
Ich glaubte, das Rätsel bereits zu fühlen.
Wie war es möglich, mein Vater ein Fischer, kaum zu glauben.
Ich sah viele Leute beisammen.
Man war hektisch mit dem Ausladen des Fangs beschäftigt.
Mein geistiger Leiter wies mich auf eine große und kräftige Gestalt hin und sagte: „Euer Vater.“
„Mein Vater“, wiederholte ich seine Worte.
Auch in diesem Leben hatte er sich nicht verändert.
Roh war er.
Das falsche Intellektuelle von früher war kein geistiger Besitz.
Dies war seine wahre Natur.
Hier würde er sich ausleben können.
Wie stark er war, darin hatte er sich nicht verändert, bloß besaß er keinen Reichtum, denn auch er musste hart arbeiten, doch er tat es.
Für ihn, ich fühlte es deutlich, brauchte mein geistiger Leiter mich nicht mit der Vergangenheit zu verbinden.
Ich folgte ihm und ergründete sein Inneres.
Noch besaß er die Allüren eines Reichen, es lag bewusst in ihm.
Ich hörte ihn sprechen, er erteilte seine Befehle, denn er war der Besitzer eines Schiffes und damit verdiente er sein Brot.
Nein, dieser Mensch konnte nicht akzeptieren, dass er einst reich, unermesslich reich gewesen war.
Das alles lag tief in ihm verborgen.
Die Seele hatte es erlebt.
Hierhin würde ich nicht so bald zurückkehren und nur dann, wenn auch er hinübergehen würde.
Dabei würde ich ihm helfen.
Geistig war er ein lebender Toter.
Darüber könnte ich Bände schreiben.
Es wurde Abend, als ich auf die Erde kam.
Trotzdem nahm ich weiter wahr, denn jetzt sah ich alles aus meinem eigenen Licht.
Ich sah zu meinem geistigen Leiter und sagte nichts.
Unsere Gefühle gingen ineinander über und wir gingen fort, zurück zu Marianne.
Als ich bei ihr ankam und wir ihr Zimmer betraten, hatte sie sich bereits zur Ruhe begeben.
Sie war in einem tiefen Schlaf und in ihr waren schöne Gefühle.
„Ich werde Euch nun mit der Vergangenheit verbinden“, sagte mein geistiger Leiter zu mir.
„Kommt her zu mir.“
Wieder wurde ich mit der Vergangenheit verbunden.
Bild für Bild kam vor meinen Geist.
Ich sah mich mit ihr in meiner vorigen Jugend, im Alten Ägypten, und ich wandelte mit ihr am unteren Nil.
Danach in Rom.
Noch tiefer stieg ich in sie hinab und fühlte ihre kosmische Abstimmung.
Ein neues Wunder lernte ich kennen.
Die Seele akzeptierte beide Körper und dennoch hatte sie ihrem, dem von Gott gewiesenen, Weg zu folgen.
In der letzten Inkarnation akzeptierte die Seele ihre absolute Abstimmung an und kehrte zu den Sphären des Lichts zurück.
Ich fühlte die Tiefe dieses Phänomens und verstand, was mein geistiger Leiter damit meinte.
Dann kehrte ich zu mir selbst zurück und sah ihr inneres Leben.
Mein geistiger Leiter sah mich an und sagte: „Mein Bruder, nun gehe ich fort, meine Aufgabe ist zu Ende und Eure nimmt einen Anfang.
Ich kehre zurück zu den Sphären und erhalte eine andere Arbeit.
Wenn die Zeit gekommen ist, dass Ihr von Eurem eigenen Leben berichten sollt, wird mein Bruder und Meister Alcar Euch besuchen kommen.
Ich werde mich mit ihm in Verbindung setzen.
Folgt Eurem Weg, Eure Aufgabe ist nicht einfach, denn viele Wesen benötigen Eure Hilfe.
In den Sphären des Lichts werden wir einander begegnen.
Wenn Marianne dieses Leben verlassen wird, komme ich zu Euch.“
Ich kniete nieder und dankte meinem Meister für alles und sah mein ganzes Leben auf der Erde, die vielen Jahrhunderte, in denen ich im Jenseits in der Finsternis lebte, an mir vorüberziehen.
Alles kehrte zurück bis zu diesem Augenblick und ich sah zu ihm auf.
Zwei liebevolle Hände lagen auf meiner Stirn.
Eine ungeheure Kraft strömte in mich.
„Gott segne Euer Werk, mein Bruder.
Möge Seine Heilige Kraft auf Euch herabkommen, Er möge Euch führen und leiten.
Lebt wohl, Lantos, lebt wohl!“
Danach fühlte ich, dass er fortging.
An der Seite meines lieben Kindes betete ich zu Gott, ihr Leben beschützen zu dürfen.
Ich war unsichtbar für Marianne, und doch so nahe.
Jahre vergingen und die Zeit brach an, da sie heiraten sollte.
An diesem Tag, der für den Menschen so viel Glück birgt, war ich bei ihr.
Sie fühlte sich glücklich, und doch, tief in ihr lag ein großes und heiliges Verlangen, das nicht beantwortet werden sollte.
Sie war an diesem Tag glücklich und nicht glücklich.
Aus der Ferne kam etwas zu ihr, was sie nicht glücklich sein ließ.
Es war ein herannahendes Unheil, denn sie sollte nicht verstanden werden.
Vom ersten Tag an fühlte sie bereits, dass ihre Ehe ein Fehlschlag war.
Roni war kalt und hart und verstand nichts von ihrem tiefen Inneren, nichts von all ihrer Liebe, die sie trug.
Ich musste dies alles mit ansehen, konnte nichts daran ändern, doch es brach mir das Herz.
Ich allein musste dies alles verarbeiten, denn mir war dies bekannt.
Wie betete sie zu Gott, wie flehte sie um Liebe.
Jeden Tag, den sie lebte, fragte und flehte sie, warum kann Gott dies gutheißen!
Wie muss ich leiden, warum und wozu das alles, warum muss auf meiner Seele herumgetrampelt werden?
Ich schaute weiter zu und legte meine Liebe und volle Kraft in sie, wenn sie schlief.
Dann waren wir eins und im Schlaf befreite ich sie und wir zogen zu den Sphären.
Dort machten wir ausgedehnte Spaziergänge und morgens kehrten wir zurück.
Dann konnte sie ihr Leid wieder verarbeiten und besaß dazu die Kraft.
Trotzdem durfte ich sie von Roni nicht befreien.
Sie musste dies erleben, dieses Leben auf eine Art und Weise beenden, die nichts anderes als Leid, Schmerz und Elend bedeutete.
Ihr Glück, ihre Gedanken, was ihre Ehe sein könnte, lagen tief, ganz tief in ihr.
Ich ließ sie leben, wie sie leben „musste“, doch ich beschützte sie in allem.
Von Zeit zu Zeit ging ich fort, kehrte aber immer wieder zu ihr zurück.
In ihr lag Sehnsucht und jene Sehnsucht war in sie gekommen, als wir in meinem Kerker auseinandergerissen wurden.
Sie konnte und sollte in diesem Leben nichts anderes tun als Sehnsucht zu haben.
Das Eine, diese reine Liebe zu besitzen, dem galt ihre Sehnsucht.
Doch erst auf dieser Seite erwartet sie geistiges Glück.
Hier, in meinem Leben, sind wir eins und fahren fort, uns die ewige Liebe zu eigen zu machen.
Sie suchte Trost in ihrem Gesang und las lautere Bücher.
Auch das, jenes Nichtige, jenes kleine bisschen Glück, wollte man ihr nehmen.
Doch sie las, durch meine Kräfte dazu getrieben.
Roni hat sich noch nicht verändert.
Für jeden ist er ein Fremder.
Von seinem früheren Leben besitzt er lediglich die Malerei.
Er kennt sich selbst nicht.
Aber etwas hat er abgelegt und kämpft dagegen, das ist seine Don Juan-artige Natur.
Doch diese Eigenschaften sind in Verbitterung übergegangen und manifestieren sich auf diese Art und Weise.
Er ist ein Mysterium und nicht zu ergründen.
Das kommt daher, dass er überall und in allem ist und sein Charakter dennoch keine klaren Linien aufweist.
Er gibt sich nicht und verschließt sich für alle.
Doch ich kenne ihn und habe Mitleid mit ihm.
Wenn er in dieses Leben eintritt, ist er ein lebender Toter.
Im Dämmerland wird er seine Wohnstätte finden, denn viel wird er sich nicht verändern.
Bei seinem Eintreten werde ich ihm helfen.
Wie grausam er auch ist, er ist und bleibt trotzdem mein Bruder.
Ich folge ihm, stimme ihn in Hinsicht auf Marianne milder, denn wenn mir das nicht gelänge, würde ihr Leben wie eine Hölle auf Erden sein.
In der Stille ihres eigenen Zimmers bin ich oft, sehr oft mit Marianne allein.
Wenn sie singt, lausche ich andächtig, aber sie weiß nicht, dass ich bei ihr bin.
In der Natur findet sie zu sich selbst und dann lasse ich sie fühlen, wie es einmal sein wird, und sie fühlt mich, doch sie fragt sich, von wo diese Gefühle in sie kommen.
Dann geht sie in mich über und die Tränen laufen ihr über die Wangen.
Sie ruft inbrünstig um Hilfe, aber dennoch muss sie dies erleben.
Oft, wenn ich in großer Entfernung meine Arbeit tue, denn ich fahre fort, den Menschen zu folgen und ihnen zu helfen, und sie in ihrem Gebet um Hilfe ruft, sehe ich sie weinen.
Dann blicke ich auf zu Roni, denn er ist es, der ihr dies alles antut.
In ihm liegt eine Macht, und von dieser Macht macht er begierig Gebrauch.
SIe ist an Händen und Füßen gebunden und darf nicht fortgehen.
Ihre Kinder fühlen nicht, welches Drama sich hier abspielt.
Wer sollte das fühlen können?
Wer fühlt auf der Erde die Tiefe der Vergangenheit?
Sind alle Menschen nicht auf der Erde, um zu lernen?
Werden nicht Tausende von Herzen gebrochen?
Leben das Gute und das Böse nicht zusammen?
Ist das Gute nicht da, um das Böse zu besiegen?
Sind nicht Millionen von Menschen die Hände und Füße gebunden, und werden ihre Seelen nicht auseinandergerissen?
Auf der Erde finden Menschen kein Glück, und wer es besitzt, oh, danke und bete zu Gott, denn es gibt nur so wenige, die jenes Glück des Verstehens besitzen.
Ich folge gerade jetzt den Menschen, sehe aber nirgends diese Liebe, diese Zwillingsliebe, die das höchste Glück bringt und gibt.
Wohin ich auch komme, es ist überall dasselbe.
Hier ist es der Mann, der Liebe besitzt, irgendwo anders die Frau, und an vielen anderen Orten besitzen beide keine Liebe.
Wie nichtig ist der Mensch!
Ich beschützte Marianne vor dem völligen Untergang.
Wäre ich nicht da gewesen, um sie davon abzuhalten, dann wäre sie bereits auf dieser Seite gewesen, um ihr eigenes Ende zu erleben.
Nicht einmal, sondern zwei-, dreimal waren diese Gedanken in ihr.
An der Kante eines Wassergrabens fand ich sie wieder.
Betrübt, gebrochen an Leib und Seele.
Dann legte ich das Bild ihrer beiden Kinder in sie, und wäre dieses Glück nicht ihr Besitz gewesen, hätte ich sie nicht beschützen können.
Ich bete, dass es niemals geschehen wird.
Jahre vergingen.
Ich verband sie mit Freunden und lenkte ihre Wege dorthin.
Auch mit abgestimmten Seelen, die mit ihr tragen werden und ihr ihre Liebe geben werden.
Ich folgte ihr und veränderte ihren Charakter.
Stets fallen diese verkehrten Eigenschaften von ihr ab und verändern sich in sanfte und schöne Gefühle.
Sie ist bereit, sich gänzlich in Liebe zu geben, schreckt jedoch vor dem Falschen und Gemeinen zurück.
Von dieser Stelle aus spreche ich mit ihr und dieses Schreiben wird sie empfangen.
Gott gibt mir die Gnade und die Kräfte dafür.
„Marianne, diese Worte sind allein für dich.
Sie kommen tief aus meinem Herzen und ich habe alle meine Seelenkräfte in sie hineingelegt.
Kämpfe, mein Kind, kämpfe, dein Leben ist hart, doch wisse, dass du nicht alleine bist.
Sieh um dich.
Wie viele leiden doch so wie du?
Du kannst dies alles tragen, weil dir von anderen geholfen wird.
Andere stehen alleine da, ganz allein in deiner schrecklichen Welt.
Wisse, mein Kind, dass du, wenn du die Finsternis nicht gefühlt und gesehen hättest, das Licht nicht schätzen würdest.
Dies alles ist notwendig.
Wenn du in der Natur deine Zuflucht suchst und die Pflanzen und Bäume und alles andere Gewächs liebkost, dann bin ich bei dir.
Wenn du Sehnsucht hast, dann fühlst du mich.
Wenn schöne und erhabene Gedanken und Aussichten in dich kommen, es sind die meinen.
Wenn du schöne Träume von Glück und Wiedersehen träumst, von einem Leben nach diesem Leben, dann sind wir zusammen gewesen und du wirst morgens wach in stillem und reinem Glück.
Sieh, Marianne, bewahre das in dir und lebe darin fort.
Wenn du zum Weltall aufblickst, siehst du mich, denn dort lebe ich.
Von dort komme ich zu dir und lege Sphärenblumen auf deine Pfade.
Ich werde dir einmal alles wettmachen.
Wisse, dass ich dich auf dieser Seite erwarte und du mich erkennen wirst.
Wenn dein letzter Atemzug aus dem müden Körper strömt, bin ich bei dir.
Dann sind wir eins, auf ewig eins.
Kämpfe also und folge deinem Weg, den du vor dir siehst.
Du wirst und kannst dies alles vielleicht nicht akzeptieren und das verlange ich auch nicht, aber dennoch, ganz tief in dir, da liegt die Vergangenheit.
Mir ist die Vergangenheit gezeigt worden und einst werde ich mit dir zur Erde zurückkehren, um sie auch dir zu erklären.
Dies alles, was ich hier niederschreibe, wirst du lesen.
Gott gab mir diese Gnade.
Wie groß ist mein Glück, wenn du dies liest.
Gemeinsam lesen wir von unserem Leben auf Jener Seite und aus früheren Jahrhunderten.
Wisse, dass ein Jahrhundert bloß ein Wimpernschlag ist.
Für dich sind es Jahre, Jahre des Kummers, des Kampfes und des Elends.
Doch bedenke, wie ich gelitten habe, und das alles für dich, meine Marianne, meine Liebe, Seele meiner Seele!
Gott kann ich so innig danken, dass ich dies deiner Welt werde berichten dürfen.
Ich bin bereits dabei und fast fertig.
Noch bin ich mit dir in Verbindung, wortwörtlich in Verbindung, jetzt, da ich dies niederschreibe.
Für das Instrument, durch das ich dies alles weitergeben durfte, werde ich beten.
Worte des Dankes kann ich nicht aussprechen.
Den Meister, der mir geholfen hat, dies festzuhalten, sehe ich an und er sieht meine Tränen der Dankbarkeit.
Noch ein paar Worte für dich, Marianne, denn ich kann noch nicht fortgehen.
Jetzt, in diesem Augenblick, jetzt, da du dies liest, sind wir eins, gänzlich eins.
Fühlst du mich?
Denke, mein liebes Kind, denke in deinem Leben hieran.
Wie groß ist die Gnade, dies empfangen zu dürfen, aber denke nicht, dass wir die Einzigen sind, die es erleben.“
Viele allerdings werden über das, was sie hierin lesen, mit den Achseln zucken, doch denen rufe ich von dieser Seite aus zu: „Brüder und Schwestern, ihr alle habt lieb, doch empfindet diese Liebe.
Alles, was ich erzählte, was ich mit Marianne erlebte und was mir in diesem Leben verdeutlicht wurde, ist die heilige Wahrheit.
Gott weiß, dass ich die Wahrheit gesagt habe.
Gott und Millionen von Wesen wissen es, denn sie sind mir in allem gefolgt.
Es ist ihr eigenes Leben, ihr Werk und Verlangen, was meinem Meister Emschor aufgetragen worden ist.
Wenn ich einen von euch von seinem ewigen Weitergehen überzeugen kann, dann sind mein Leiden und Kämpfen und diese ganze Arbeit belohnt.
Gebe Gott, dass eure Augen aufgehen.“
„Und du, begnadetes Instrument, nun wende ich mich an dich.
Ich werde dich mit Marianne verbinden.
Du wirst ihr begegnen.
Wenn ich dich fühlen lasse, wer sie ist, es dich sehen und hören lassen, da du diese Gaben besitzt, wirst du ihr, meiner Zwillingsseele, dann deine ganze Liebe geben?
Nochmals, du wirst ihr begegnen, auf unterschiedliche Arten und Weisen werde ich dir Ihr Bildnis zeigen.
Auch werde ich euch einige Erkennungszeichen geben, sodass ihr beide es akzeptieren werdet, wie unglaublich es auch für euch sein wird.
Willst du ihr, wenn ich dir diese Beweise gebe, dann zuflüstern, dass sie es ist?
Ich darf dich dies wissen lassen, es ist Gottes Willen.
Darf ich dir aus meinem tiefsten Inneren danken, für das, was du für mich tatest?
Die Zeit hast du nicht gehabt, du lebtest zu meiner Zeit und in meinem Leben.
Ich musste dieses Buch in kurzer Zeit festlegen.
Allein über die Zeit, die ich in der Finsternis lebte, könnte ich Bände füllen, doch ist das nicht die Absicht.
Es geht den Meistern allein darum, dass sie alle Menschen auf der Erde, die das Gefühl besitzen und sich in all dies vertiefen wollen, von ihrem ewigen Weitergehen überzeugen wollen.
Dass all diese Möglichkeiten jedermann beschieden sein mögen, wer es auch sei, denn Gott hat alle Seine Kinder lieb.
Tief in dir selbst liegt die Wahrheit, du selbst bist die Antwort auf dies alles, denn du bist Leben, du bist Geist und Seele.“
Euch, Meister Alcar, brauche ich nicht zu danken.
Ihr wollt und möchtet keinen Dank, aber Gott muss ich danken für alles, was Er mir gegeben hat.
Jetzt will ich dieses Werk beenden und meiner Marianne widmen.
„Marianne, dies ist für dich.
Nimm es an und schließe es in dich ein.
Lies es und lies es wieder, dann bin ich bei dir.“
Nun gehe ich fort.
Ich segne Sie alle.“
„Möge Gottes heiliger und unentbehrlicher Segen auf diesem Werk ruhen.“
 
Ihr Lantos
 
Ende.