Dematerialisation

Im ersten Band dieses Werkes konnte man lesen, wie Andrés mediale Gaben allmählich von Alcar, seinem geistigen Leiter, entwickelt wurden.
Schon lange hatte André darum gebeten, Séancen im Dunkeln abhalten zu dürfen.
Er musste sich jedoch gedulden und sich zuerst noch mehr in die okkulten Wissenschaften vertiefen.
Also wartete er in Ruhe ab, bis es an der Zeit war und Alcar ihm Bescheid gäbe.
Und als er nach einiger Zeit die Zustimmung erhielt, mit den Sitzungen im Dunkeln zu beginnen, und er sah, wie er aus eigener Kraft bemerkenswerte Phänomene auftreten ließ, war er überglücklich.
Seit geraumer Zeit wusste er, dass Geister mithilfe eines Sprachrohrs – einer Art Trompete –, das ihre Stimmen verstärkt, sprechen können, wenn ein Medium mit direkter Stimme zugegen ist, und dass dieses große Ereignis sogar auch ohne diese Vorrichtung stattfinden kann, wenn die vorhandenen medialen Kräfte dafür stark genug sind.
Alcar ließ ihn wissen, dass die Kräfte für die direkte Stimme, Materialisation und Dematerialisation in ihm vorhanden sind.
Diese mussten allerdings entwickelt werden, was längere Zeit in Anspruch nehmen würde.
Welch eine Offenbarung war das für ihn!
Und wie dankbar war er, dass es ihm gegeben sein würde, auch auf diese Art – und aus eigener Kraft – die Menschen vom Fortleben jenseits des Grabes zu überzeugen.
Schnell hatte er mit einigen Freunden einen Kreis gebildet und Alcar sagte, dass alle geduldig sein müssen und ruhig, in völliger Hingabe abwarten müssen, was geschehen werde.
Erst nach mehreren Sitzungen kam es zu den ersten Erscheinungen.
Diese bestanden aus Klopfzeichen, welche manchmal an Möbeln und Wänden, doch meistens am Sprachrohr, das in der Mitte des Raumes auf einem kleinen Tisch stand, wahrgenommen wurden.
Nach den Klopfzeichen erhielt man Apporte.
Blumen wurden einer Vase entnommen und auf den Schoß der Anwesenden gelegt.
Und auf einem geschlossenen Klavier wurden Tasten angeschlagen.
So stellten sich unterschiedliche Phänomene ein, an einem Abend mehr, am anderen weniger.
André hörte oder sah allerdings nichts davon; denn sobald eine Schallplatte aufgelegt wurde – was erforderlich ist, um direkte Stimmen zu empfangen –, fiel er auf der Stelle in Trance, um daraus erst nach Ablauf der Séance zu erwachen.
Aber auch in dieser Hinsicht war er geduldig und er fühlte sich bereits glücklich, wenn man ihm erzählte, dass man einen wunderschönen Abend hatte.
Endlich kam aber auch für ihn der Moment, wahrnehmen zu dürfen, was geschah.
Eines Abends, als das Sprachrohr wieder in der Luft schwebte, fragte man Alcar, ob „er“ (während er sich in Trance befand, durfte sein Name nicht ausgesprochen werden) dies sehen dürfe.
Und Alcar ließ ihn, als Antwort auf diese Bitte, aus der Trance erwachen.
Da sah er hoch über sich in der Ecke des Raumes die „Trompete“ schweben, welche mit zwei Leuchtbändern versehen war.
Was für ein Bild!
Plötzlich machte sie einen gehörigen Schlenker durch das Zimmer, um mit kreisender Bewegung neben ihm auf den Boden zu sinken.
Ein kalter Schauer durchfuhr ihn.
Dann sah er sie wieder sinken und fiel darauf erneut in Trance.
Diese bemerkenswerten Erscheinungen manifestierten sich gewöhnlich während der wöchentlichen Sitzungen, bis eines schönen Abends sich etwas anderes, sehr Außergewöhnliches, ereignete.
Alcar hatte durch das Sprachrohr zu den Anwesenden gesprochen, was mehrmals – auch durch andere Intelligenzen – geschah, und er hatte sie gebeten, das Licht an- oder auszuschalten, wenn er es ihnen sagte, und auch weiterhin nach seinen Anweisungen zu handeln.
Derjenige, der das Licht einschaltete, durfte dabei jedoch nicht zögern, weil damit eine Gefahr für das Medium verbunden wäre.
Es musste also sofort gehandelt werden, wenn Alcar seine Anweisungen gab.
Zu einem bestimmten Zeitpunkt sollte das Licht eingeschaltet werden, woraufhin man mit größtem Erstaunen sah, dass André durch die Gitterstäbe des kleinen Tisches, auf dem das Sprachrohr stand, hindurchgeschoben war, obwohl der Abstand zwischen seinem Stuhl und dem Tisch anderthalb Meter betrug.
Dort lag er auf dem Boden, bleich wie ein Toter.
Wie er dort hingekommen ist, war jedem ein Rätsel.
Plötzlich ertönte Alcars zweiter Befehl: „Licht aus!“, und ein paar Sekunden danach: „Licht an!“
Wie groß war die allgemeine Verwunderung, als man sah, dass André wieder ruhig auf seinem Stuhl saß und schlief, als ob nichts mit ihm geschehen wäre.
Er war noch immer in Trance.
Als man ihm nach Ablauf der Séance erzählte, was mit ihm geschehen war, versuchte er unter den Tisch zu kriechen, was ihm jedoch nicht gelang, da der Spalt zwischen den Gitterstäben und dem Fußboden viel zu klein war.
Daraufhin fragte er Alcar, was mit ihm geschehen sei, und bekam zur Antwort, dass er levitiert und zum Teil dematerialisiert worden war.
Niemand hatte gesehen, wie dieser Vorgang vonstatten ging, obwohl er Leuchtbänder um Arme und Beine trug, die allerdings, wie Alcar sagte, durch den schnellen Ablauf nicht gesehen werden konnten.
Außerhalb der Séancen geschah unerwartet noch etwas sehr Verwunderliches mit ihm, denn alle starken Beweise werden spontan durchgegeben.
Eines Abends stand er spät mit einem Freund vor seinem Haus und unterhielt sich noch ein wenig, als zwei Damen auf ihn zukamen und fragten, ob er ihnen helfen wolle, die Haustür zu öffnen, die durch ein im Gang umgefallenes Fahrrad blockiert den Zutritt zur Wohnung versperrte.
Die Tür konnte nur um einige Zentimeter geöffnet werden und es war niemand zu Hause.
Vielleicht könnte er mit einem langen Stock oder Besenstiel das Fahrrad anheben und umsetzen.
André war sofort bereit, den Damen zu helfen.
Er verabschiedete sich von seinem Freund und ging ins Haus, um irgendeine Stange zu holen.
Bald kam er wieder mit einem Gasrohr und einem Besen bewaffnet heraus, um damit zu versuchen, das Fahrrad durch den Türspalt aufzurichten, und er begab sich mit den beiden Damen zu deren Wohnung, wo er sich sofort ans Werk machte.
Doch wie sehr er auch versuchte, den Besenstiel oder das Gasrohr durch den engen Spalt zu bekommen, es wollte nicht klappen, da beide Gegenstände zu dick waren.
Schließlich begann die Tür bedrohlich zu knacken und die Damen bekamen Angst, dass sie brechen könnte.
Der ganze Lärm ließ die Nachbarn herbeikommen, um nachzusehen, was los sei, und André fragte, ob er durch deren Haus die Rückseite von der Wohnung der Damen erreichen könne, was sich als nicht möglich herausstellte.
Dennoch musste man schauen, wie man hineinkam.
Plötzlich – André wusste selbst nicht warum – steckte er die linke Hand so weit wie möglich zwischen Tür und Türpfosten hindurch, während er mit der rechten Hand den Türgriff festhielt.
Im selben Augenblick – das Festhalten der Tür war förmlich ein Kontakt – floss ein Strom durch seinen Körper, der so stark war, dass er schwindlig und müde wurde und hinzufallen drohte.
Es überkam ihn dasselbe Gefühl, als wenn er aus dem Körper austrat oder in Trance versetzt wurde.
Was weiter mit ihm geschah, daran konnte er sich nicht mehr erinnern, als er wie aus einem tiefen Schlaf aufwachte.
Er gähnte mehrfach und rieb sich die Augen, um besser sehen zu können, blickte sich um und sah, dass er neben dem umgefallenen Fahrrad im Gang stand.
Verblüfft hob er das Fahrrad auf, stellte es an die Treppe, öffnete von innen die Tür, grüßte geistesabwesend die Damen und die umstehenden Leute und stürmte geradezu auf die Straße und sie, die alle zu Tode erschrocken waren, zurückließ.
Als er wieder draußen war, wurde ihm irgendwie bewusst, was mit ihm geschehen war.
Plötzlich – es war, als schöbe ihn jemand vorwärts –, fing er an zu rennen, während er hörte: „Rennen, André, rennen; das ist notwendig, mein Junge.“
Sofort wurde ihm bewusst, dass es Alcar war, der ihn beruhigen wollte.
„Rennen, Junge“, ertönte wieder seine Stimme.
Es schien gar, als nähme er an einem Wettkampf teil, so rannte er durch die Straßen.
Er fühlte, dass wenn er stehenbleiben wollte, er dies nicht könnte, denn er wurde dazu wider Willen angetrieben.
Endlich, nachdem er durch einige Straßen gerannt war, kam er wieder bei sich zu Hause an und wurde dort zum Halten gebracht.
Es war alles so merkwürdig!
Er glich wohl einem Uhrwerk, das von einer unbekannten Kraft aufgezogen und danach wieder angehalten wurde.
Doch er begriff, dass es die Kraft und der Wille eines seiner geistigen Helfer sein mussten, der bei diesem Vorgang die geistige Leitung hatte, wenngleich er niemanden sah, weder Alcar noch einen anderen Geist.
Auf keinen Fall war es Alcar, denn dessen Einfluss konnte er von jenem aller anderen Intelligenzen unterscheiden und ihn herausfühlen.
Nach all dem Gerenne merkte er, dass er richtig hungrig wurde, und abermals hörte er Alcars Stimme: „Iss, André, iss, bis du spürst, dass du genug hast.“
Da lief er rasch in die Küche, um sich ein paar Butterbrote zu schmieren, denn er wollte Mutters Schlaf nicht stören, da es bereits nach halb zwölf war.
Er befand sich also jetzt schon etwa eine halbe Stunde in einem für ihn unbegreiflichen Zustand.
Er dachte an nichts anderes mehr als ans Essen und er stellte bald zu seinem Schrecken fest, dass er bereits seine achte Schnitte aß.
Was war bloß mit ihm geschehen?
Wenn das mal gut ging!
Was sollte er anfangen, wenn er krank würde?
Wozu war das alles nötig?
Waren es wohl Alcar und die Seinen, die ihn für dieses Eigenartige eingespannt hatten?
Allmählich kam Angst in ihm auf.
Abermals hörte er Alcars Stimme: „André, auch darüber nicht grübeln.
Du bist in meinen Händen."
Sein Herz floss über.
Das war sein Alcar!
Alcar, der Geist der Liebe, gab Antwort auf seine unausgesprochenen Gedanken.
Das hatte er schon so oft erleben dürfen.
Alcar kannte ihn, wusste alles über ihn und konnte ihn auf verschiedene Weise erreichen.
Und das Schönste, woran er Alcars Liebe am stärksten fühlen konnte, war wohl, dass er auf seine unausgesprochenen Gedanken antwortet.
Das fand er immer wieder wunderbar, es war jedes Mal eine neue Überraschung für ihn.
Es leutete.
Vielleicht kam man ihn holen wegen eines Kranken.
Er war nicht wenig verwundert, als die beiden Damen vor ihm standen, die er völlig vergessen hatte, was wiederum ein Beweis für ihn war, dass er sich ausschließlich auf das konzentrieren musste, was er zu einem gegebenen Zeitpunkt tat, und dass er noch stets das Instrument seiner geistigen Leiter war und seine eigenen Angelegenheiten nicht durch Gedankenkraft festhalten konnte.
„Mein Herr“, so begann eine der Damen, „Sie haben uns vielleicht erschreckt und Angst gemacht!
Was ist denn eigentlich passiert?
So leicht werden Sie uns nicht los.
Wir wollen wissen, was für ein Wunder geschehen ist.
Haben wir es mit dem Teufel zu tun?“
André musste lachen.
Er und ein Teufel; das fehlte gerade noch!
„Sie lachen auch noch darüber?“, fragte die andere Besucherin.
„Wir haben geschrien, so sehr, dass überall die Fenster aufgingen.
Man hat bestimmt gedacht, dass jemand umgebracht worden ist.
Los, sagen Sie uns, was das alles bedeutet.
Sonst werden wir heute Nacht keine Minute ruhig schlafen können.
Sie verschwinden auf einmal vor unseren Augen, machen die Tür von innen auf, schauen an uns vorbei und rennen auf die Straße, als wäre der Teufel hinter ihnen her und als hätten wir Ihnen Angst eingejagt.“
„Beruhigen Sie sich, meine Damen“, antwortete André, „dann versuche ich Ihnen zu erklären, dass soeben eine Dematerialisation stattgefunden haben muss, damit meine ich ein okkultes Phänomen, zu dem es meines Erachtens nur kommen kann, wenn Geister eingreifen und ein Medium in Anspruch nehmen, wobei dann die Geister, ich weiß noch nicht wie, den Körper des Mediums förmlich auflösen, um ihn später wieder zusammenzufügen.
Hier war ich das Medium und keineswegs ein Teufel, wie Sie befürchtet haben.
Was sich da ereignet hat, war auch für mich eine unerwartete Überraschung, denn derartige Phänomene kommen nun nicht gerade alle Tage vor.
Gott schenkte mir mediale Kräfte, die mir heilig sind, und ich fühle mich als ein Werkzeug in Seiner Hand; in erster Linie da, wo es um die Gabe der Heilung durch magnetische Kraft geht.“
Er richtete sich anschließend an eine der Damen und fuhr fort: „Sie haben Rückenschmerzen, gnädige Frau, woran Sie schon seit langem leiden, und ich sehe einen Herrn neben Ihnen, der sagt, Ihr Vater zu sein.“
Er beschrieb die Intelligenz, die ihm zufolge eine große Ähnlichkeit mit ihr aufwies, nannte die Krankheit, an der er gestorben war, fühlte aber gleich, dass ihr das Angst machte.
Sie sah ihn an, als wenn er selbst eine Geistererscheinung wäre, und sagte: „Dass ich Rückenschmerzen habe, ist wahr, mein Herr, doch dass mein verstorbener Vater hier neben mir stehen soll, das glaube ich nicht.
Sie sind ein eigenartiger Mensch, denn alles, was Sie uns erzählen, wird immer unbegreiflicher.“
Ihr war mehr zum Weinen als zum Lachen zumute.
Nachdem die Damen fortgegangen waren, hörte André Alcar sagen, dass er schnellstens zu Bett gehen müsse, und er begriff, dass es sehr dringend war, denn es kam ihm vor, als würde sein Kopf zerspringen.
Und als er im Bett lag, fühlte er wohl eine halbe Stunde lang Strom durch seinen Körper fließen, der ein Prickeln verursachte.
Dann wurde ihm ganz heiß und er begann schrecklich zu transpirieren und hatte dabei starkes Herzklopfen.
Und dann, binnen einer Viertelstunde war er völlig ausgetrocknet, was ihm eigenartig und unnatürlich vorkam, da dies doch nicht der Fall gewesen wäre, wenn es sich um eine Krankheit gehandelt hätte.
Er verstand es nicht.
Dann wurde ihm kalt und er fröstelte, doch zu guter Letzt überkam ihn das wohltuende Gefühl sanfter, herrlicher Wärme.
Diese Entwicklung hielt zwei Stunden an.
Dann sagte sein geistiger Leiter: „Nun schlafe ruhig, mein Junge, denn du bist sehr müde.
Diese Müdigkeit wird jedoch verschwunden sein, nachdem du gut geschlafen hast.
Morgen werde ich dir dann alles erzählen, was mit dir geschehen ist, und werde dir diese gelungene Dematerialisation erläutern.“
André merkte, wie er immer tiefer wegsank, doch bevor er einschlief, fühlte er, dass eine Hand sanft auf sein Haupt gelegt wurde, die Hand von seinem Alcar, dessen magnetischer Strom so wunderbar auf ihn einwirkte, dass er morgens wieder frisch und munter aufwachte.
Seine ersten Gedanken waren bei den beiden Damen und er erinnerte sich sofort, was ihm am vorigen Abend widerfahren war, und natürlich erzählte er alles seinen Eltern.
Diese hatten schon viel Wundersames mit ihrem Jungen erlebt, aber von so etwas hatten sie noch nie gehört.
Im Laufe des Morgens kamen die Damen wieder; sie hatten sich etwas beruhigt und wollten noch etwas mehr über „das Wunder“ erfahren.
André merkte zwar, dass sie in ihm eher einen Gaukler als ein Medium sahen, sagte ihnen aber trotzdem noch einmal, dass solch eine übernatürliche Erscheinung nur mit geistiger Hilfe zustande gebracht werden könne, und er riet ihnen, falls sie sich für diese Dinge interessierten, über Spiritismus und Okkultismus viel zu lesen.
Dann könnten sie alles besser verstehen.
Er fühlte dann, dass er darauf nicht tiefer eingehen sollte, weil man ihn ohnehin nicht begreifen und ihm nicht glauben würde, da der Spiritismus und das Leben nach dem Tod noch Rätsel waren für seine Besucherinnen und sie von Geistern absolut nichts wissen wollten.
Diese Gedanken hatte er von ihnen übernommen und Alcar ließ ihn fühlen, dass er sie ausloten solle.
Doch in diesen armen Menschenkindern war nicht die geringste Tiefe.
Sie schliefen ihren Tiefschlaf und es konnte lange dauern, bis sie geistig erwachten und sich für das interessierten, was nach ihrem irdischen Dasein mit ihnen geschehen würde.
Vor dem Tod hatten sie Angst und folglich würden sie es nicht annehmen können, dass die „Toten“ leben.
Doch Angst vor dem Tod bedeutet Angst vor dem Leben, denn: „Tot ist tot“ ist eine große Unwahrheit.
Die sogenannten Toten leben, und sie werden fortleben bis in alle, alle Ewigkeit.
Wie reich sind er und all jene doch, die diese Überzeugung haben.
Wie glücklich war er, dass er, als Instrument in Gottes Hand, den „Toten“ helfen durfte, den Menschen auf Erden psychisch und physisch zur Seite zu stehen.
„Tote“ helfen und heilen stofflichen Menschen.
„Tote“ brachten ihn durch die massive Holztür.
Letzteres können nur sie; Menschen aus Fleisch und Blut ist so etwas nicht möglich, auch wenn sie in der Welt auch noch so gelehrt sein mögen.
„Tote“ malen durch ihn, sprechen mit ihm und lassen ihn Wunder wirken.
Arme, arme Menschenkinder!
Wann werdet ihr endlich erwachen?
Ihr, die ihr solch ein Wunder erlebt habt, denkt darüber nach.
Es war eine Lehre für euch, welche euch Gott gegeben hat, um erwachen zu können.
Ihr müsst jetzt nicht länger ein ungläubiger Thomas sein, denn ihr habt euren Beweis empfangen.
„Erwacht, ihr, die ihr schlaft, und steht vom Tod auf“, ruft unser aller Meister euch zu, denn indem man geistig schläft, gehen auf Erden so unsagbar viele Menschenleben verloren, werden so viele Leben umsonst gelebt.
Also wacht auf und denkt an euer ewiges Glück, an euer ewiges Heil.
Der stoffliche Tod ist der Übergang in die geistige Welt, das Geborenwerden in den Sphären des Jenseits.
Öffnet eure Augen und seht.
Eure Zeit ist kostbar, denn bald kommt euer Ende auf dieser Erde, und dann starrt ihr blind, geistig blind in die Ewigkeit, in das ewige Leben.
 
Als er nachmittags ruhig dasaß und nachdachte, erfreute ihn Alcar wieder mit seiner liebevollen Stimme.
„Hör zu, mein Junge“, sagte er, „unsere Sitzungen im Dunkeln hatten zum Ziel, die Dematerialisation zustande zu bringen, und sie sind als Vorstudie anzusehen.
Einige meiner Freunde, unter ihnen die Intelligenz, die ‚Physica‘ heißt, waren daran beteiligt.
Der Geist Physica, der auf Erden Mathematik und Physik studierte und cum laude zum Doktor der Chemie promovierte, führt seine Untersuchungen in den Sphären fort.
Er ist seit gut dreißig Jahren einer von uns und hatte bei der Erscheinung von gestern Abend, die alle Aufmerksamkeit verdient, die geistige Leitung übernommen, da er mit dem Kosmos in Verbindung treten kann; er entzog dabei dem Kosmos die Kräfte, die für dieses Geschehen erforderlich waren.
Ich will dir nun das Wesentliche dessen erklären, was mit deinem Körper geschah.
Als du die Tür nicht weiter als einen Spalt aufbekommen konntest, versetzten wir dich in Halbtrance.
Das war der Augenblick, als du unbewusst deine linke Hand durch die Tür gesteckt und mit der rechten den Türknauf festgehalten hast.
Das stellte unseren Kontakt her, durch den die Verbindung zustande gebracht wurde.
Bei Dunkelsitzungen hätten wir alles ganz anders gemacht.
Diese können nur bei schwachem, dunkelroten Licht stattfinden, da sich sonst das Teleplasma, das uns mit dem Medium verbindet, auflösen würde.
Jetzt mussten wir verschiedene entgegenwirkende Kräfte beachten.
Doch Physica hatte zuvor seine Berechnungen angestellt, damit keine bleibenden Störungen in deinem Körper auftreten konnten.
Nachdem die Dematerialisation stattgefunden hatte, stellten wir fest, dass dein Kreislauf schwankte, und um den wieder zu regulieren, ließen wir dich – durch unseren starken Willen und unser Konzentrationsvermögen – einige Straßen hin und zurück rennen.
Auf unseren Reisen ins Sommerland und in die anderen Sphären hast du erfahren, wie stark diese Kräfte sind, denn du konntest damals lediglich das tun, was wir von dir verlangten.
Nach der ganzen Rennerei hast du einen abnormalen Hunger bekommen.
Das war ein Zeichen dafür, dass wir über deinen normalen Kräfteverbrauch hinausgegangen waren.
Du warst erschöpft, was jedoch nicht deine gesamten Kräfte, sondern lediglich dein arbeitendes Bewusstsein betraf.
Der Mensch hat unbewusst eine große Kraft in sich, welche nur in außergewöhnlichen Situationen abgerufen wird.
Stell dir zum Beispiel jemanden vor, der in einem Auto auf einer stark befahrenen Straße fährt.
Plötzlich kommt ihm ein anderes Auto entgegen, doch durch ein Ausweichmanöver nach links oder rechts gelingt es ihm, einen Zusammenstoß zu verhindern.
Nach diesem Kraftakt fühlt er sich aber total erschöpft, denn in diesem Augenblick hat er mehr Kraft und Energie verbraucht, als er sonst den ganzen Tag über verbraucht hätte.
Fühlt mein Sohn, was ich meine?
Leuchtet ihm ein, dass er seine Energie aus seinem Reservoir geschöpft hat, das wir sein unbewusstes Vermögen nennen?
Wir haben also mehr Kraft verbraucht als unter normalen Umständen, worauf dein Stoffkörper stark reagiert hat.
Daher die große Müdigkeit.
Doch indem du ordentlich gegessen hast und mit der nötigen Ruhe war schon bald die verbrauchte Kraft zurückgewonnen.
Dann kam der Zeitpunkt, zu dem wir, während du im Bett lagst, dein Nervensystem mit kosmischen Strahlen zur Ruhe bringen konnten, was dringend notwendig war, da jedwede Störung nachteilige Folgen nach sich gezogen hätte, vor allem für dein Herz, das, wie du gemerkt hast, heftig geschlagen hat.
Auch musste sich der Blutdruck durch die Behandlung wieder normalisieren, da er mal zu hoch, dann wieder zu niedrig war.
Wie du dich erinnern wirst, war dir zunächst schrecklich heiß und dann kalt, und du kamst dann letztlich wieder in deinen normalen Zustand.
Das so plötzliche Austrocknen, nach dem starken Transpirieren, war die Folge der Behandlung mit kosmischen Strahlen, mit denen wir deinen Körper versorgt haben.
Bis jetzt hat man auf deiner Erde diese o so nützlichen Kräfte noch nicht anzuwenden gewusst.
Gleichwohl wird die Zeit kommen, dass sich die Wissenschaft der Natur zuwenden wird und ihr all diese heilenden Kräfte werdet der Natur entnehmen können.
Im Kosmos sind noch so viele Kräfte verborgen, die, wie ich dir schon zuvor sagte, dem Menschen gegeben werden, wenn sich die Wissenschaft einmal an das ewige Reich der Geister zu wenden gedenkt.
Das kosmische Bewusstsein muss erwachen, aber um das kosmische Reservoir jedoch öffnen zu können, muss man zunächst in der Lage sein, gefühlsmäßig zu erfassen und zu verstehen.
Dann erst wird man imstande sein, den kranken Körper mit kosmischen Strahlen – diesen gesegneten Kräften – zu versorgen.
Erst dann, wenn die irdischen Gelehrten sich demütig verneigen, werden Intelligenzen aus den höheren Sphären sie inspirieren und die Verbindung zustande bringen.
Dann erst werden Krebs und Tuberkulose aufhören zu existieren, denn allein die Natur kann ihnen helfen, diese gefürchteten Krankheiten zu bekämpfen.
 
Die Dematerialisation ist nach Wunsch verlaufen, weil wir den Prozess der Schwerkraft aufgehoben haben, indem wir diese Kraft reduzierten.
Dein Körper wurde aufgelöst und blitzartig wieder aufgebaut.
Das Auflösen deines Stoffkörpers und dessen Wiederaufbau ist schon eine ganze Wissenschaft für sich.
So gibt es verschiedene Phasen in diesem Geschehen, für die man kosmisch entwickelt sein muss, um es in allen Bestandsformen erfühlen zu können.
Erst wenn du einer von uns bist, wird dir das klar werden, und dein Gefühl muss entwickelt und auf alles abgestimmt werden.
In den Sphären wird alle Theorie zu Leben.
Physica, der auf Erden ein Gelehrter und ein stiller und fleißiger Arbeiter war, musste nach seinem Hinübergehen erkennen, dass sein Wissen noch von geringer Bedeutung war, wie es im Geiste alle irdischen Wissenschaften sind.
Irdische Gelehrtheit wird erst dann zur Weisheit, wenn sie im Geiste entwickelt ist.
Physica führt an unserer Seite seine Studien fort, sowohl im Geiste als auch im Stoff.
Unsere Gelehrten kommen zur Erde, um ihre Bewohner mit den geistigen Gesetzen in Verbindung zu bringen, und wenn die geistig sehen könnten, dann wären sie verblüfft, dass der Geist – der Mensch der Sphären – seine Untersuchungen im Stoff fortsetzt, um sie auf einen höheren Weg zu bringen: auf den Weg zur Vollkommenheit, auf den Weg zu Gott.
Deshalb muss der Mensch erfühlen und verstehen lernen, was das Leben des Geistes ist; dann wird ihn der Geist so leben lassen, wie von allen das Leben gelebt werden muss, weil alles Leben von Gott kommt.
Das Leben ist die Wissenschaft, welche unerschöpflich ist und immer bleiben wird.
Wisse, mein Junge, dass alles Wissen Leben ist und in allen seinen Formen Liebe bedeutet.
Und alles Leben muss in Harmonie gelebt werden, denn im Geiste sind kosmische Disharmonien unmöglich, weil Gott Liebe ist und Seine Schöpfung vollkommen.
 
Nachdem wir deinen Körper mit kosmischen Strahlen versorgt hatten, hast du gefühlt, dass meine Hände dich magnetisierten.
Mein Lebensfluidum war notwendig, um dir einen ruhigen Schlaf zu verschaffen.
Dir ist sicherlich klar, dass dein Geist während der Dematerialisation den Körper verlassen hat, mit dem er, wie du bereits zuvor sehen konntest, durch die silberne Schnur, oder den Fluidumfaden, verbunden blieb.
Während der ersten Male, als du aus dem Körper ausgetreten bist, war das auch so der Fall, wie du weißt.“
André war abermals seinem geistigen Leiter innig dankbar für alles, was er für ihn getan hatte, zugleich bedauerte er jedoch zutiefst, dass dieses wichtige Ereignis umsonst stattgefunden hatte.
Was mussten Alcar, Physica und weitere Geister nicht alles tun, um dieses Phänomen zum Erfolg werden zu lassen!
Wie viel Energie musste dafür nicht aufgebracht werden!
„Nicht grübeln, mein Junge“, hörte er seinen geliebten geistigen Freund sagen, „das ist nicht gut.
Es war aber nicht unser Wunsch, physische Manifestationen stattfinden zu lassen, aber dein Verlangen, viel zu bedeuten, spielte dir mit.
Deshalb haben wir dir zeigen wollen, was physische Medialität bedeutet.
Kann dies dem Menschen Glück bringen?
Ist physische Kraft ewiger Besitz?
Kann der Mensch durch diese Kraft strahlen und schön sein?
Ist er dadurch mit Gott verbunden?
Bedeutet sie Leben?
Kann man durch sie die Menschheit vor dem Untergang retten?
Doch wohl nicht, tausendmal nein.
Die psychischen Kräfte sind es, die ewigen Besitz und ewiges Glück bedeuten, während physische Kräfte nur zeitlich sind.
All das leuchtet dir bald ein und es wird dich verstehen lassen, dass das Ereignis von gestern Abend nicht umsonst war.
Du weißt, dass physische und psychische Kräfte in dir schlummern.
Welche sind nun die Wesentlichen, die es zuerst zu entwickeln gilt?
Welche sind die größten, die heiligsten Gaben Gottes, die du empfangen kannst?
Mit welchen können wir der Menschheit am besten helfen?
Welche werden – in einer höheren Daseinsform – dein ewiger Besitz?
Physische Kräfte sind auch eine Gabe Gottes, ganz gewiss, doch diese sollten dazu dienen, diejenigen zu überzeugen, wachzurütteln, die durch die psychischen Gaben noch nicht zu überzeugen sind.
Und wenn sie dann wachgerüttelt sind, kommen wir, um sie geistig zu unterstützen, ihr Gefühl zu entwickeln und sie zu lehren, wie sie Liebe geben sollen.
Sei dir gewiss, dass wir wissen, weshalb und wozu wir zu dir kommen.
Ich habe dir gestattet, Dunkelsitzungen abzuhalten.
Nochmals: Nicht für uns, sondern für dich selbst.
Um dich mächtiger werden zu lassen?
Nein, sondern um dein Verlangen für ein für alle Mal im Keim zu ersticken.
Du, mein Junge, hast eine andere, eine schönere Aufgabe.
Wir haben mit dir andere Ziele als dich zu einem Spielball derer werden zu lassen, die Verlangen danach haben.
Es ist eine sehr, sehr heilige Aufgabe, die auf deine Schultern gelegt worden ist.
Darum solltest du demütig sein und still, und den Heiligen Geist in dir wirken lassen.
Deine Aufgabe ist die des Geistes.
Deshalb wollen wir dir deutlich machen, was das Schönste und das Heiligste an deinen Gaben ist.
Gewiss, physische Medialität darf auf der Erde nicht fehlen, doch es gibt bereits genug Medien, die diese Kraft besitzen.
Tausende gibt es; in jeder Stadt, in jedem Dorf sind sie zu finden.
Wenn wir es wollen, können wir sie auf verschiedene Art und Weise entwickeln.
Aber würden wir dadurch weiterkommen?
Sensationen gibt es schon genug auf Erden.
Dachtest du, dass uns das helfen würde?
Die ersten Klopfzeichen, diese einfachen Erscheinungen, waren noch zu tief gehend, um von der Wissenschaft verstanden zu werden.
Trotzdem werden diese Klopfzeichen stets das größte Ereignis der Menschheitsgeschichte bleiben.
Diese einfachen Klopfzeichen waren – wie direkte Stimmen – deutlich hörbar für jeden, der hinhören wollte.
Und Tausende lauschten und wurden von einem Fortleben nach dem stofflichen Tod überzeugt.
Doch je stärker die Beweise werden, welche die Menschheit von unserer Seite empfängt, desto weniger glaubt man, weil diese physischen Phänomene nicht mehr menschlich und somit unbegreiflich sind.
Folglich wird auf der Erde alles zur Sensation, weil alles irdisch ist.
Physische Medien kann man also zur Genüge finden, doch psychische nur eines unter Tausenden.
Wir von unserer Seite suchen stets nach solchen Instrumenten, die bereit sind, uns zu dienen, um der Menschheit geistig zu helfen, denn die Erde und ihre Bewohner können nur dann glücklich werden, wenn das geistige Niveau der Menschen auf der Erde steigt, was nur durch psychische Kraft möglich ist.
Deshalb wollen wir deine Gaben für alles Geistige entwickeln, deine Liebe wachsen lassen, wollen dein Gefühl mit allem, was lebt, verbinden.
Durch das Experiment von gestern Abend ist dir klar geworden, dass wir den Menschen nicht helfen können, wenn sie es nicht wollen, dass ihnen geholfen wird, und dass der Mensch – trotz der größten Wunder – dennoch ein ungläubiger Thomas bleibt.
Ich habe dich vor dieser Art von Medialität bewahren wollen, die, wie schön und nützlich sie auch sein mag, dennoch nicht das ewige Licht bedeutet.
Dein Weg ist ein ganz anderer.
Du wirst mit mir die Sphären besuchen und wirst dort sehen, was nur geistig gesehen werden kann.
Ich werde dich dem Geist nach entwickeln, was später – hier oben – dein Glück, deine Liebe und dein ewiges Licht sein wird, wenn du Gott um Weisheit, Kraft und Liebe bittest.“
 
Auf Alcars Wunsch hin schickte André einige bedeutende Spiritisten zu den beiden Damen, damit sie von jenen hören konnten, welches Wunder geschehen war, damit es in der einen oder anderen Zeitschrift erwähnt werden könnte.
Vielleicht könnte es dann andere wachrütteln.
Aber die Damen waren wieder eingeschlafen.
Sie hatten nämlich mit dem Pfarrer gesprochen, und dieser hatte gesagt, dass sie sich auf solche Teufelskünste nicht einlassen dürften.
Es wäre alles Teufelswerk.
Daraufhin fragte André Alcar, was er weiter tun solle.
Und der antwortete: „Nichts, nichts, nichts, mein Junge.
Du siehst, dass Menschen nicht zu überzeugen sind, wenn die Zeit dafür noch nicht reif ist.
Es gibt an unserer Seite Tausende von Pfarrern, die allzu gerne verbreiten würden, dass alles hier Leben bedeutet, was sie früher nicht begriffen haben, und dass der Spiritualismus nicht vom Teufel, sondern von Gott kommt.
Es wird also unsere Aufgabe sein, denjenigen Menschenkindern zu helfen, die es wollen, dass ihnen geholfen wird.
Die werden dann Nahrung für ihre Seele erhalten, ihrem ewigen Körper.“
 
Später kam André in Kontakt mit Geist Physicas Ehefrau, die noch auf der Erde lebte, und er war glücklich, dass er ihr beweisen konnte, dass sie immer mit ihrem Mann in Verbindung war, der sie in den Sphären erwartete, wenn es mit ihrem irdischen Leben zu Ende ginge.