Dectars große heilende Gabe

Bald waren wir draußen.
Das Erdbeben hatte verschiedene Gebäude und Häuser umgerissen, aber unser Haus war in der Erde versunken.
Dectar erzählte mir, dass man mit dem Aufbau begonnen habe.
Ich trug die vielen Kräuter und Öle, die er benötigte.
Wir betraten eine ärmliche Hütte.
Auf dem Bett lag eine junge Mutter, deren ganzer Körper mit Geschwüren übersät war.
Dectar beruhigte sie mit einigen freundlichen Worten.
Die Kranke sah mich an, doch mein Gesicht war unter einer Kapuze verborgen, nur die weisen Priester durften ihr Antlitz zeigen.
Dectar war in der ganzen Gegend bekannt.
Er sagte zu mir: „Wir sprechen von Gefühl zu Gefühl, Venry.
Die Kranke darf uns nicht hören, doch die Meister können mir folgen.
Wenn wir also vertraulich miteinander sprechen, so tun wir das aus dem Raum heraus, doch was die Kranke betrifft, öffne ich mich den Meistern ganz.
Komm nun her zu mir und sieh.“
Dectar bestrahlte den ganzen Körper, und ich sah, dass sich ein bläulicher Schleier auflöste.
Die Kranke konnte das nicht sehen.
Ich spürte, wozu das war, doch Dectar sagte: „Du hast bereits gefühlt, Venry, wofür das nötig ist.
Es ist ein astraler Schutz, sodass sie für Ausbreitung abgeschlossen ist.“
Nun rieb er sie mit einem sanften Öl ein.
Danach behandelte er die Haut und trug eine Kräutersalbe um die Wunden auf.
„Du ahnst sicher, Venry, warum ich die Wunden auslasse?“
„Das machst du, um die Haut zu stärken, Dectar.“
„Genau, Venry, und dann schließen sich die Wunden von allein.
Um die Wunden herum muss die Haut kräftiger werden, nicht an der Stelle an sich, das kommt später.
Die Wunden werde ich sogleich bestrahlen, mehr ist dazu nicht notwendig.“
Die Kranke musste sich umdrehen, und ich sah, dass ihr ganzer Rücken eine einzige Wunde zu sein schien.
Jetzt sprach Dectar zu der Kranken und sagte: „Siehst du, meine Gute, diese Wunden waren zunächst ganz klein, und jetzt sind sie gleichsam eine einzige große Wunde.
Das ist bereits Heilung.“
Zu mir sagte er: „Man konnte ihr nicht helfen, lieber Venry, andere vermochten sie nicht zu heilen, und man rief mich.
Ich habe schon sehr viel erreicht.
Ich hätte sie auf einmal heilen können, aber das wäre dann zu schnell.
Ich werde es dir gleich zeigen.
Die Kräuter und Salben helfen mir, aber meine eigenen Kräfte müssen sie heilen.
Diese Krankheit kommt von innen heraus.“
Dectar bestrahlte die kranke Frau und stellte seine Konzentration ein.
Seine rechte Hand schwebte über dem Körper und seine Augen waren geschlossen, er betete um Kraft.
Aus den Wunden floss Blut, durch die Bestrahlung erfolgte eine starke Einwirkung, und ich sah, wie ein Wunder geschah.
Nachdem er die Wunden eine Weile bestrahlt hatte, schlossen sie sich von selbst, wofür eigentlich eine geraume Weile nötig wäre.
Dectars große heilende Kraft beschleunigte die natürliche Wirkung, und er reduzierte diesen Vorgang zu einer raschen Heilung.
Seine enorme Konzentration wirkte Wunder.
Nachdem er sie eine Weile bestrahlt hatte, sagte er: „Hast du dem Geschehen folgen können, Venry?“
„Ja, Dectar, ich sah es heilen, du bist ein großes Wunder.“
Doch darauf ging er nicht ein und sagte zu der kranken Frau: „Jetzt so liegen bleiben, nur kurz, denn gleich werde ich dich in den Schlaf führen.“
Jetzt zeigte mir Dectar seine große Kraft.
Auch der Oberschenkel war voller Wunden.
Als er das Bein bestrahlte, schlossen sich die Wunden unter seinen Händen.
„Du siehst es, Venry, ich kann all diese Wunden binnen kurzer Zeit heilen, aber ich sagte dir bereits, dass es dann zu schnell ginge.
Es sollte langsam geschehen, so, wie die Natur ihre Aufgabe erfüllt.“
Seine Konzentration war wundervoll.
Ich nahm wahr, dass sich die Wunden zusammenzogen und sich Schorf bildete, der danach abfiel.
Es war ein kurzer Vorgang, dennoch war es falsch, denn es ging zu schnell.
Dectar besaß wundersame Kräfte.
Für mich war er nun wie ein kleines Kind.
Er spürte, an was ich dachte, und sagte: „So ist es, lieber Venry, das hast du richtig gespürt.
Jetzt bin ich wie ein Kind, aber dann sehe ich sehr scharf.
Auch kommen schöne Gefühle in mich, sodass ich weinen könnte vor Glück.
Die Kranken weinen mit mir, aber sie wissen nicht, warum diese Gefühle zu ihnen kommen.
Ich weiß jedoch, dass sie durch die heilenden Kräfte glücklich sind, doch es gibt noch viel mehr.
Was dann zu mir kommt, ist sonderbar, Venry, und es macht mich sehr glücklich.
Ich gehe dann in diese Kräfte über, und der Kranke empfängt sie wiederum von mir.
Die Kräfte ziehen mich hoch, und dann fühle ich mich sehr ätherisch und bin dann sehr empfindlich.
Manchmal höre ich Stimmen und kann zu diesen Stimmen sprechen.
Diese Stimmen kommen von Menschen, die auf der Erde gewesen sind und nun in jener anderen Welt leben, doch das Wichtigste ist wohl, dass diese Menschen mir Ratschläge geben, und ihre Ratschläge sind mächtiger als mein eigenes Wissen und all meine Gaben.
Du weißt natürlich, was das bedeutet.
Dann besitze ich Die Großen Schwingen, Venry, und kann im Raum schweben und sehr tief sehen.
Die Meister wissen davon nichts, sonst würden sie es mir verbieten.
Das ist mein eigenes Geheimnis, Venry, doch jetzt weiß ich viel mehr, da ich nun deinen geistigen Leiter kennengelernt habe.“
„Meinst du, dass er es ist, Dectar?“
„Es kann nicht anders sein, Venry.
Die Meister können mir in allem folgen, doch hierüber wissen sie nichts.
Ist das nicht fabelhaft?
Manchmal kommen Menschen zu mir, die eine ähnliche Krankheit gehabt haben und mir sagten, dass sie daran gestorben seien.
Sie machten mir klar, wie all diese Kräuter zu verwenden sind, aber ich muss dennoch durch meine eigenen Kräfte heilen.
Sie bringen mir Freude und Glück, auch für die Kranken, und wissen sehr viel über Krankheiten.
Jetzt sind sie hier nicht zugegen.
Lange Zeit habe ich sie schon nicht mehr gesehen, und das ist meine eigene Schuld.“
„Warum, Dectar?“
„Nun, lieber Venry, ich bin sehr eigensinnig, denn ich wollte sie nicht mehr sehen.
Ihr großes Glück machte mich nur traurig.
Wenn ich sie sehe in ihrem strahlenden Licht, dann weine ich vor Sehnsucht und bin dann nicht mehr gut für meine Arbeit.
Sie zu sehen und all dem Glück folgen zu müssen, dafür muss man sehr stark sein.
Man stellt dann Vergleiche an, und das ist falsch.
Sie sind mir voraus, und das muss ich akzeptieren.
Ich bin dann traurig darüber, dass sie alles besitzen und ich nichts.
Und dennoch bin ich sehr reich, besitze schöne Gaben, aber ihr Glück ist so mächtig.
Kannst du das fühlen, Venry?“
„Ja, Dectar.“
„All diese Menschen sind fast nie allein, immer sehe ich sie zusammen.
Du verstehst es sicherlich, es sind Zwillingsseelen.
Sie sind unterwegs und leben im Raum und können gehen, wohin sie wollen, und besitzen alles.
Sie schweben über der Erde und blicken auf uns Menschen, die nichts von all diesem Glück besitzen.
Danach sehne ich mich dann, lieber Venry, und ich habe mich so sehr gesehnt, dass ich sie nicht mehr sehen wollte.
Siehst du, Venry, das ist sehr schwach von mir, aber ich bin nun einmal nicht anders.
Sie sehen viel mehr als wir zu kennen glauben.
Und das ist ganz natürlich, denn sie sagen, dass sie an allen Krankheiten gestorben sind, und damit wollen sie sagen, dass all diese Menschen dort leben, und dass ein jeder eigentlich eine andere Krankheit erlebt hat.
Und da blicken sie durch das Leben hindurch; sie sehen die Kranken auf der Erde klar vor sich, doch in anderer Form als wir sie sehen, die wir diese Gaben besitzen.
Aber du weißt es, wenn du außerhalb deines Körpers bist, dann siehst du alles, den Anfang und das Ende einer Krankheit, und das müssen wir hier sehen können.
Ihr Glück ist unbeschreiblich.
Wenn ich mir Mühe gebe, so sagen sie, wirst du unser Glück empfangen.
Nun weiß ich, dass sie die Wahrheit sprechen und weder lügen noch betrügen können, denn sie leben im Licht.
Einer von ihnen war eine Kraft, die mir half, Venry.“
„Und kennst du nun diese Kraft, Dectar?“
„Aber natürlich, es ist dein geistiger Leiter, der schon seit Jahren gewartet und mir auch darin geholfen hat.
Ich werde sie nun in den Schlaf führen, und dann gehen wir weiter.“
Dectar setzte sich neben die kranke Frau und nahm ihre Hand in seine.
Aus seinen schönen tiefen Augen sah ich Licht kommen, und die Frau versank bald in tiefen Schlaf.
Er deckte sie zu und sagte: „Ruhe nun, mein Kind, morgen bist du wieder gesund, während der Zeit, in der du schläfst, werden die Wunden heilen.“
Wir gingen fort.
„Weißt du, lieber Venry, wie lange sie schlafen sollte, und was ich jetzt tun muss?“
„Schläft sie bis morgen, Dectar?“
„Ja, Venry, und ich werde ihr weiterhin helfen.“
„Das ist wunderbar, Dectar, du bleibst weiterhin eins mit ihr?“
„Als ich neben ihr saß, Venry, machte ich mich eins.
Sie muss jetzt schlafen, denn ich bin nun im Schlaf.“
„Deine Teilung ist vollkommen, Dectar!“
„Wenn ich heile, Venry, bin ich bereit.
Ich könnte auf diese Weise viele Menschen schlafen lassen, und dennoch verrichte ich meine andere Arbeit, bleibe jedoch eins mit ihnen.
Ich kann reden und andere Dinge tun, meine Konzentration fährt jedoch fort, ist ständig auf sie eingestellt, und das bleibt so, bis ich möchte, dass sie aufwacht.
Morgen sind die Wunden geheilt, und das Zusammenziehen hat aufgehört.
Das verursacht ihr starke Schmerzen und schwächt sie.
Jetzt empfängt sie neue Kräfte einzig und allein durch den Schlaf.
Wir kennen doch all die Übergänge in den Schlaf.
Nun, ich bleibe mit ihr darin und bin dennoch bewusst.
Weißt du, wer mich das gelehrt hat, Venry?“
„Die Meister der Isis?“
„Nein, lieber Freund, dein geistiger Leiter.“
„Du bist also schon sehr lange mit ihm verbunden, Dectar?“
„Er muss warten, Venry, und sich für alles bereit machen, deshalb sind auch wir eins.
Die Meister kennen all diese Möglichkeiten, doch hierin liegt trotzdem noch eine Kraft, von der sie nichts wissen.
Die Meister meinen, dass sie es selbst sind; ich akzeptiere sehr gerne diese Weisheit und lasse mich dann gehen, gebe mich in allem hin.
Aber das darf nicht sein, ich selbst muss alles rechtfertigen können, und jede Krankheit wird niedergeschrieben.
Wenn die Kraft in jener anderen Welt lebt, gehört sie uns nicht.
Fühlst du, Venry, warum sie es wollen?
Sie wollen nicht abhängig sein.
Komm, wir gehen hier hinein.“
Wir betraten eine andere Hütte, aber wir wurden zuerst zu einem Kranken gerufen, der von weit her gebracht worden war, weil man wusste, dass Dectar kommen würde.
Es war ein alter Mann.
Ein Insekt hatte ihn gestochen, und er weinte vor Schmerzen.
Dectar ging zu ihm und beruhigte ihn.
Sein rechtes Bein war geschwollen und blauschwarz verfärbt.
Dectar sagte zu ihm: „Ich sehe, dass Ihr zu lange gewartet habt, warum seid Ihr nicht zu Isis gekommen?“
Der Mann wollte sich entschuldigen, doch Dectar ging nicht darauf ein, denn er durchschaute ihn und sagte: „Ich werde Euch helfen, doch Ihr solltet nie mehr Lügen erzählen, sonst kommen die Dämonen in Euch.“
Zuerst trug er eine stark riechende Salbe auf das Bein auf.
Dann konzentrierte er sich auf die Krankheit.
Seine Hände bestrahlten das Bein, und ich sah, dass es unter seinen Händen immer dünner wurde, bis das Bein seine normale Form angenommen hatte.
In kurzer Zeit heilte Dectar diese Krankheit, die offenbar eine Vergiftung war.
Der Mann weinte vor Glück und wollte Dectar belohnen, doch davon wollte er nichts wissen.
Das Bein war geheilt, und er ging zurück nach Hause.
Dann gingen wir zu einer anderen Kranken; es war eine Frau mittleren Alters.
Sie war von einer Schlange gebissen worden, und in ihrem Organismus waren Störungen aufgetreten.
Dectar erzählte mir von ihrer Krankheit und wie weit sie fortgeschritten war.
„Ich bin nun soweit, Venry, dass ich heute das Gift, das noch in ihr ist, entfernen kann.
Natürlich ist es bereits getötet, aber es wurden Organe davon befallen, und die werden in ihrer Funktion beeinträchtigt.
Das Gift hat ein lähmendes Gefühl im Darm zurückgelassen.
Ich muss ihr nun einige Kräuter verabreichen.“
Dectar gab ihr die Kräuter, und wir gingen fort.
„All diese Kräuter, Venry, sind in den Gärten Ardatys gewachsen.
Sie reinigen ihr Blut und lassen die gelähmten Organe wieder arbeiten.
Ardaty hat all diese Kräuter gezogen, und das dauerte Jahre, doch jetzt sind sie in unserem Besitz.
Er besaß diese Meisterschaft, und die Kranken gesunden dadurch.
Doch später, wenn die Kräuter ihre Wirkung tun, beginnt meine Arbeit erst.
Ich folge dann den Kräutern durch den ganzen Körper und bringe sie mit meinem Sehen und meiner Konzentration an die Stelle, wo die Krankheit wuchert.
Allein durch mein Sehen, die Kräuter und mein Wissen um die Krankheit, Venry, ist diese Heilung möglich.
Alsbald wird sie schreckliche Schmerzen haben, und die werden durch die Kräuter verursacht, aber auch sie werde ich einschlafen lassen.
Weil nun die Heilung eintritt, welche die Wirkung bedeutet, hat sie Schmerzen.
Ich weiß, wie lange der Schmerz dauern kann, aber ich lasse sie die ganze Zeit schlafen.
Denn während ihres Schlafes ist der Organismus nicht auf voller Kraft, sondern kommen die Organe zur Ruhe, aber der Organismus muss sich bei vollem Bewusstsein erholen.
Bei anderen Kranken ist das wiederum ganz anders, und dann muss ich auch andere Maßnahmen ergreifen.“
Dectar ging zu der Kranken und zeigte mir dann, wie er sie geheilt hatte.
„Siehst du, Venry, durch die Kräuter ist das zum Vorschein gekommen, aber ich selbst entfernte es aus dem Körper.
Sie wird nun bald einschlafen, und wir gehen weiter.“
Unterwegs zu einem anderen Kranken wurden wir von einem alten Mann angesprochen, der Dectar fragte: „Meister Dectar, die Götter führen mich auf Euren Weg, könnt Ihr meine Frau heilen?
Sie verhält sich so sonderbar, schon seit Tagen erkenne ich sie nicht wieder.
Die Götter sandten mich zu Euch.“
„Geht uns voran, mein Guter.“
Der Mann führte uns zu seiner Wohnung.
Unterwegs sagte Dectar: „Hast du gesehen, Venry, dass er es nicht selbst war, der zu uns sprach?“
„Ja, Dectar, ich sehe in ihm ein anderes Wesen, er wurde also geschickt?“
„Sehr gut beobachtet, Venry.
Ich weiß bereits jetzt, was wir tun müssen.
Seine Frau ist besessen, doch durch ihre eigene Schuld.
Alle möchten Gaben besitzen, durch Weisheit gehen sie zugrunde und wollen dafür sterben.
Doch sind wir nicht wie sie?
Sind unsere Sehnsüchte anders?
Sind es nicht die Meister, die sich tagein, tagaus sehnen?
Verlangt der Pharao nicht immer wieder neue Weisheit?
Was wir tun, glauben alle zu können, Venry, aber wer die Realität nicht kennt, geht daran zugrunde.“
Wir kamen zu einer Hütte, aber auf der Schwelle blieb Dectar stehen und sah sich die Kranke an.
Ein weibliches Wesen lag wie ein willenloses Instrument auf dem Boden, ihre Augen quollen aus den Höhlen.
Ich spürte, dass Dectar wahrzunehmen begann, und folgte seinem Sehen.
Indessen sagte er zu mir: „Ist es dir klar, Venry?
Sie ist besessen von einer Art, wie du es selbst erlebt hast.
Wenn du möchtest, kannst du sie binnen kurzer Zeit heilen, und dann wird sie ihre Gebete um Hilfe und Gaben nicht mehr hinaufsenden.
Die Götter sandten ihr das Unbewusstsein in menschlicher Gestalt, doch ein Dämon stieg in sie hinab.
Wir beide werden ihr helfen, Venry.
Ich möchte dir sehr gerne folgen.
Wir brauchen sie nicht einmal zu bestrahlen, die astrale Persönlichkeit spürt bereits, dass wir uns einstellen, und wird fortgehen.“
Wir stellten uns beide auf die Kranke ein und begannen, wahrzunehmen.
Dectar sagte: „Kannst du alles sehen, Venry?“
„Ja, Dectar, sie ist besessen, das astrale Wesen lebt sich durch sie aus und verspricht ihr geistige Schätze, von denen er selbst keine Ahnung hat.
Es ist ein Mann, Dectar.“
„Sehr gut, Venry, doch schau, er will sich tatsächlich noch wehren.
Schau, sie zuckt vor Schmerzen zusammen, windet sich wie eine Schlange, aber unser geistiges Feuer zwingt ihn, sie loszulassen.
Nun wird sie bewusstlos zusammenbrechen, aber dann ist er weg.“
Unsere starke Konzentration zwang das astrale Monster, ihren Körper zu verlassen, und die Frau brach bewusstlos zusammen.
Wir trugen sie zu einem Ruhelager, und Dectar sagte zu ihrem Mann: „Ihr möchtet lieber, dass sie diese Gaben nicht mehr besitzt?“
„Oh, Meister, nehmt all diese Erscheinungen weg von ihr, die Götter verfluchen mein Leben, und sie bringt Leid und Schmerz über mich und die Kinder.“
„Wir werden sie abschließen, Venry, sodass ihre Gefühle weiterhin schlafen.
In Wahrheit ist sie sehr empfindsam, doch das hier bedeutet für sie nichts als Elend.
Wir könnten aus ihr eine würdige Priesterin machen, doch jetzt ist sie Mutter, und ihr Einstellen ist verwirrt.
Kennst du diese Wirkung, Venry?“
„Ja, Dectar, ich sehe, was in ihr lebt, es ist mir klar.“
„Ihr inneres Leben hat sich auf diese Weise geteilt, Venry.
Für viele ist es gerade die absolut einfachste Entwicklung, für sie ist sie verhängnisvoll, diese Empfindsamkeit versetzt sie in einen unausgeglichenen Zustand.
Wir werden ihre Gaben mit einer dichten Aura umgeben und eine Weile an sie denken.
Wenn all die Kräfte wieder schlafen, können wir aufhören, und sie ist für dieses Leben davon erlöst.“
Wir umgaben ihr inneres Leben nun mit einem dichten Schleier, aufgebaut durch Konzentration und kraftvollen Willen.
Nach einem kurzen Augenblick war diese Seele von dieser aufdringlichen und vernichtenden Kraft erlöst und geheilt.
Dectar sagte zu dem Mann: „Ihr könnt sie schlafen lassen, im Schlaf wird sie gesunden.
All die schrecklichen Gaben sind nun aus ihr verschwunden.“
„Den Göttern sei gedankt.“
Ein anderer Kranker war ein Mann, den ich von hohem Fieber heilte.
Dectar sagte: „Siehst du, Venry, alles ist noch immer in dir bewusst, und jetzt kannst du wieder heilen wie früher.
Jetzt gehen wir zu einem sonderbaren Fall, lieber Venry, und ich denke, dass wir nun die Geschwulst entfernen können.
Doch das geschieht auf Isis.
Komm, folge mir.“
Auch jetzt betraten wir eine ärmliche Hütte, denn die Reichen kamen zum Tempel und erhielten andere Hilfe, auf dass die Zimmer von Isis gefüllt blieben.
Die armen Menschen wurden meistens umsonst behandelt, dennoch wurden manchmal ihre Gaben angenommen.
Die Mutter des Kranken hieß Dectar willkommen und rief ihr Kind zu sich.
Es war ein etwa achtjähriger Junge, und er war zurückgeblieben.
Dectar sagte zu mir: „Stell dich auf ihn ein, Venry.
In seinem Kopf ist eine Geschwulst.“
Dectar legte die rechte Hand auf den Kopf des Kindes.
Ich folgte ihm und sah, was er wahrnehmen würde.
Im Kopf befand sich eine kleine, aber ernste Geschwulst.
Ich konnte deutlich wahrnehmen, dass es reif war, und dass man es nun entfernen konnte.
Nach kurzer Zeit kehrte Dectar zurück in sein eigenes Leben und sagte: „Hast du gesehen, Venry, wie deutlich die Geschwulst ist?
Dadurch ist das Kind geistesabwesend.“
Der Mutter sagte er: „Ihr kommt mit ihm zum Tempel.
Morgen müsst Ihr zu uns kommen, und dann werden wir das Kind heilen.
Der Junge bleibt einige Tage bei uns und kehrt gesund zu Euch zurück.“
* *
*
Wir besuchten an jenem Nachmittag weitere Kranke.
Allen wurde geholfen, und wir kehrten zurück zum Tempel.
Nachdem wir etwas geruht hatten, holte Dectar mich wieder ab, und wir besuchten die Kranken auf Isis.
Danach nahm er mich mit in den Raum, in dem balsamiert wurde, und ich durfte dem beiwohnen.
Eine hochgestellte Persönlichkeit war bei einem Unfall gestorben und wurde einbalsamiert.
Damit ging der Tag vorüber.
Ich vereinbarte mit Dectar, dass ich in der Nacht zu ihm kommen würde, um seine Verstümmelung zu heilen, und er ging fort.
In der Nacht verließ ich meinen Körper und umgab ihn mit meinen eigenen Kräften, sodass sein Widerstand sich verstärkte.
Bald konnte ich erneut damit beginnen und unsere eigenen Kräfte dominierten.
Trotzdem durften die Meister nichts davon erfahren.
Wir bauten eine Gegenkraft auf, und wenn wir soweit waren, konnte Dectar seinen Körper verlassen und in jener anderen Welt wahrnehmen oder das eine oder andere erleben.
Durch meinen geistigen Leiter hoffte ich, das zu erreichen.
Bis in den Morgenstunden arbeitete ich daran.
Als er zu mir kam, sagte er zu mir: „Nur noch kurze Zeit, Venry, und ich kann schweben.“
„Weißt du denn, Dectar, wie weit ich gekommen bin?“
„Siehst du denn nicht, dass ich mich wieder aufrichten kann?
Doch ich werde vorsichtig sein müssen.
Komm, wir gehen spazieren, ich muss dir von dem erzählen, was wir wissen, sodass du bereit bist für die Prüfungen.“
Wir besuchten nun andere Gärten und Gebäude, sodass ich den Tempel und alles, was dazugehörte, kennenlernte.
Es waren Gärten, in denen verschiedene wilde Tiere frei umhergingen und zusammen waren mit anderen geflügelten Tierarten.
Es war ein sonderbarer Anblick, all diese Tiere zusammen zu sehen, doch die meisten von ihnen hielt man unter Kontrolle.
Ich fragte Dectar: „Was weiß man über all diese Arten, Dectar?“
„Wir wissen, dass wir Menschen immer wieder zurückkehren und neue Körper erhalten, aber auch die Tiere kommen wieder.
Wie das geschieht, und wohin sie gehen, das wissen wir noch nicht.
Du musst mir sagen, was du siehst, Venry.“
Was ich sah, konnte ich nicht erklären, und sagte: „Ich kann mich nicht ausdrücken, Dectar, dafür muss ich heraustreten, aber ich sehe viele Tierarten.“
„Das wird fabelhaft, Venry.
Mach dir keine Mühe, dies reicht bereits aus.
Was siehst du im Raum, Venry?“
„Im Raum sehe ich andere Welten, Dectar.
Ich sehe Bäume und Blumen, Menschen und Tiere.
Auch du kannst das sehen.“
„Das ist alles richtig, Venry, aber ich muss wissen, was du wahrnimmst.“
„Ich sehe dort Menschen, die prachtvolle Gewänder tragen, und die Natur ist viel schöner als hier, und sie sind glücklich.
Auch die Finsternis habe ich nun sehen dürfen.
Ist das alles bekannt?“
„Alles, Venry, auch, dass es dort immer hell ist, oder tiefe Finsternis.
All die Menschen sind hier gestorben und waren auf der Erde.
Doch was wir erfahren müssen ist, ob noch mehr Menschen, die wie wir sind, in diesem Raum leben.
Wir müssen wissen, ob all die Licht gebenden Feuerkugeln bewohnt sind.
Die Meister suchen und versuchen, so weit zu kommen.
Auch der Pharao muss darüber Bescheid wissen, und er fragt immer, ob wir schon etwas wissen.
Aber es hat hier noch keine Priester gegeben, die das feststellen konnten.
Wir hoffen, es durch dich zu empfangen.“
„Werden die Meister mich dorthin entsenden, Dectar?“
„Natürlich, Venry, wenn du die Gaben besitzt, bedeutet das für uns alle Weisheit.
Wir wünschen uns sehr, das erfahren zu dürfen.“
„Und könnte ich zu ihr gehen, Dectar?“
„Das müssen wir abwarten.
Wir wissen, dass die Seele in beiden Körpern lebt, und dass wir Mann und Frau sind.
Doch ob all diese Körper im Raum miteinander Verbindung haben, das möchten wir erfahren.
Wir gehen immer weiter, doch woher wir gekommen sind und wohin wir gehen, das wissen wir noch nicht.
Natürlich wissen wir, dass wir weiterleben, aber das ist nicht alles, was wir erfahren möchten.
Es muss dort Körper geben, auf denen Menschen leben.
Die Meister denken und fühlen das und sind darin sehr weit.
Es muss Verbindung möglich sein, das heißt, dass wir Menschen auch auf anderen Körpern im Raum gelebt haben, und noch leben werden.
Ist das nicht fabelhaft, Venry?“
„Ist dort noch ein anderer Priester gewesen, Dectar?“
„Nein, Venry, dieses Sehen gehört zu den allergrößten Gaben.
Nicht ein einziger der Meister besitzt diese Gaben, auch ich nicht, niemand hier auf Isis.“
„Auf welche Weise werden diese Sitzungen abgehalten, Dectar?“
„Du hast es bereits erlebt, Venry.
Du verlässt deinen Körper und musst in jene andere Welt blicken.
Die Meister werden dir dann Fragen stellen.
All die Fragen musst du beantworten.
Wenn du falsch siehst, und wir wissen das, so werden die Meister dich warnen.
Sie kontrollieren dich und stellen Fragen, und das, was sie fragen, ist uns bekannt.
Ist deine Antwort klar und natürlich, so gehst du weiter und tiefer, immer weiter.“
„Du erzähltest mir von den Gewässern, Dectar, gab es Priester, die darin gesehen haben?“
„Wir alle können die Gewässer tiefer ergründen, Venry, doch es ist nicht gerade einfach, all dieses Leben zu erklären.
Es gab einen Priester, der sehr viel erklären konnte, doch später stellte sich heraus, dass es nicht zur Realität gehörte, und alles erwies sich als wertlos.
Wir müssen das feststellen können, Venry, und all den Welten folgen können, sonst lernen wir die Gesetze nicht kennen.
Was er bei unseren ersten Versammlungen erklärt hatte, was für die Meister wundersam war, schien später zur Unwirklichkeit zu gehören.
Der Pharao war wütend, und das ist nicht gut für Isis.
Andere Tempel wurden dadurch zugrunde gerichtet.
Was wir sammeln, muss eine Existenzgrundlage haben, sonst kommen wir nicht weiter.
Wenn du dort in die Realität blicken kannst, wird das Isis und uns alle groß machen, aber von eigenen Gedanken hat man hier nichts.
Es gab Priester, die wunderbare Gaben empfangen hatten, doch sie glaubten, all die Wirkungen zu sehen, allerdings in ihrer Phantasie.
Eine spätere Untersuchung brachte ans Licht, das sie verworrene Dinge gesprochen hatten, und sie waren sich dessen nicht einmal bewusst.“
„Aber das ist doch zu sehen, Dectar?“
„Nein, lieber Freund.
Sie sehen es und erleben eine Welt, und alles Leben sehen sie vor sich, und dennoch ist das nur Schein.
Ihre Eitelkeit und Habsucht und die Sehnsucht nach dem Besitz der Großen Schwingen sind daran schuld.
Alle haben ihre Kasteiung erhalten, und es gibt welche, die man tötete.
All dem Fühlen und Sehen haben wir folgen können, Venry.
Gaben zu besitzen, ist der größte Schatz, den die Götter uns Menschen schenken können, doch zu meinen, sie zu besitzen und in Gedanken zu leben, wie sie es sehen wollen und es sich vorstellen, das ist fatal, Venry.
Dann gehen wir alle zugrunde.
Die Meister sind sehr folgsam, doch wehe denen, die zu sehen meinen, was dennoch nicht zur Realität gehört, sie vernichten sich selbst.“
„Muss man dafür denn einen Priester vernichten, Dectar?“
„Sie bitten selbst darum, Venry, wir fragen nicht nach Lügen und eigenen Gedanken, wir wollen die Gesetze kennenlernen.“
„Ich könnte sie alle zerbrechen, Dectar, alle Meister mitsamt dem Pharao.
Ich hasse die Meister.
Jetzt könnte ich bereits beginnen und ihnen Beweise meiner Kräfte geben, wenn ich tun dürfte, was ich selber möchte.“
„Wenn du so weitermachst, mein Freund, sind wir heute Abend dort, worüber wir jetzt sprechen.
Hast du vergessen, dass du noch nicht bereit bist?
Solche Gedanken dürfen nicht in dir sein, oder man zerbricht uns.
Immer wieder muss ich dich warnen, und das macht mir Angst.
Oh, Venry, bitte, sei vorsichtig.“
„Ich werde besser aufpassen, Dectar.
Aber ich hasse sie, vor allem jetzt, da ich weiß, wer mein Vater ist.
Manchmal habe ich keine Geduld mehr.
Immer dieses Vernichten, Dectar, all die Priester hat man getötet, und wozu?
Wie viele Priester und Priesterinnen sind hier spurlos verschwunden?“
„Daran ist jetzt noch nichts zu ändern, Venry, wir müssen über unser eigenes Leben wachen.
Wenn du jugendlich bist, kommt Furcht in mich.
Wenn ich wie ein Kind bin, ist heiliger Ernst in mir, und ich bin sehr kräftig.
Du nicht, und dann zittere ich, weil du an nichts denkst.
Aber wir werden zurückgehen zu deiner Zelle, du solltest dich besser abschließen, sonst spreche ich kein Wort mehr.
Wirst du dir das merken, Venry?“
„Ich verspreche es dir, Dectar.“
„Ich komme dich holen, heute werden wir heilen.
Du darfst der Sitzung beiwohnen.“
„Ich werde jetzt besser aufpassen, Dectar.“
„Wir werden sehen, mein Freund, und abwarten.“