Wenn du mich nicht zum Narren hältst, Hendrik, werde ich dir ein Wunder erzählen

Jeus gedeiht und fängt schon an, alles Mögliche zu plappern, worüber Crisje als Mutter sehr glücklich ist.
Ihr Jüngstes ist ein besonderes Kind.
Es hat für ihr Gefühl etwas Eigenartiges.
Sie ist Tag und Nacht mit ihm beschäftigt, folgt ihm und erlebt alles mit.
Sie kann vor sich selbst erklären: „Ja, Lieber Herrgott, ich bin dankbar und glücklich.
Ich brauche weiter nichts.“
Aber doch kann sie sich bisweilen fragen: „Was hat Jeus bloß?“
Das Kind kann manchmal nach etwas schauen, wovon Crisje die Wirklichkeit nicht sieht.
Es starrt dann nach etwas, was Crisje nicht sehen kann.
Und doch muss da etwas sein, denn das Kind schaut und lacht und fühlt sich offenbar glücklich.
Jeus ist tatsächlich mit etwas beschäftigt, und das hängt in der Luft, doch es hat mit dieser Welt nichts zu schaffen.
Das macht Crisje durchaus ein wenig ängstlich.
Was soll daraus werden.
Jeus fängt an, die stofflichen Dinge, die er sieht, zu verstehen.
Er gebraucht seine Händchen und Beinchen.
Er krabbelt durch die Küche, schaut dann plötzlich hoch und fängt an zu kichern.
Davon ist Crisje, das weiß sie schon seit langer Zeit, ausgeschlossen.
Sie weiß schon so lange, dass Jeus etwas besitzt, das sie nicht begreifen kann.
Der Lange sieht nichts und lacht sie aus.
Mit ihm kann sie also nicht darüber sprechen.
Sie hört noch Minas Worte.
„Jeus ist ein Besonderer, das Kind hat Augen in seinem Kopf wie Himmel.“
Und die Augen fangen an, in eine Welt zu schauen, die weder Crisje noch andere Menschen wahrnehmen können, die aber doch vorhanden sein muss.
Sie wüsste gern mehr darüber, kann jedoch nicht dahinter kommen.
Heute Morgen hat sie sich sehr erschrocken.
Ganz unerwartet sagte Jeus „Langer, Crisje“.
Sie hob ihn hoch und drückte ihn an ihr Herz.
„Mein Gott, Jeus“, rief sie aus, „wie machst du mich doch glücklich.“
Das Kind lässt sich verwöhnen, aber als es zu lange dauert, will er wieder heruntergesetzt werden.
Er will krabbeln und das Schöne betrachten, das er wahrnimmt.
Als Crisje Trui von diesem Wunder erzählt, hält diese es nicht für etwas Besonderes.
Doch Crisje weiß: Wer selbst keine Kinder hat, kennt diese Gefühle nicht!
Trui kann natürlich nicht begreifen, was so etwas für eine Mutter bedeutet.
Wenn Kinder den Namen der Eltern über die dünnen Lippen kommen lassen, ist es immer gerade so, als ob Unser Lieber Herrgott zu einem spricht.
Und dies kam außerdem so erstaunlich heraus, dass sie dachte, vor lauter Glück verrückt zu werden.
Als sie zu Trui sagt, dass dies sozusagen von Unserem Lieben Herrgott kam, bringt diese sie jedoch völlig zur Ernüchterung.
Sie hält daher ihren Mund und spricht nicht weiter über ihr Glück.
„Das kannst du wohl sagen“, so Trui, „aber das kannst du dir selbst auch weismachen, es stimmt nicht immer.“
Wie klingt das kalt und hart.
Trui kann auch nie einmal herzlich sein.
Wenn sie einmal Kinder kriegen sollte, denkt Crisje, wären die Ärmsten noch nicht glücklich.
Dann folgt noch eine Geschichte von Trui, die sie schon so oft hat anhören müssen und die im Wesentlichen beinhaltet, dass das Kinderhaben auch nicht alles ist.
„Weißt du das noch, Cris?
Das Mädchen von Klink, die hatte auch solch ein Glück, als das Kind den Namen ausgesprochen hatte, aber was ist daraus geworden?
Dass ich nicht lache.“
Crisje verfolgt das Verhalten ihres Kindes weiter.
Es liegt manchmal mitten in der Küche und schläft dann auf eine besondere Art ein.
Als sie das zum ersten Mal sah, dachte sie: „Wo habe ich dieses Schlafen schon mal gesehen?
Der schläft mit offenen Augen!“
Wenn Crisje ihn dann hochnehmen will, fängt das Kind furchtbar an zu schreien und zu brüllen, dass sie davon Angst bekommt.
Dann dachte sie bei sich: „Der weiß jetzt schon, was er will.“
Das Schlafen auf dem Boden war nicht normal.
Dies hatte bestimmt etwas zu bedeuten.
Hendrik lachte darüber und sagte, dass sie ihm keinen Unsinn erzählen sollte, schlafen und schlafen sei ... schlafen.
Der Lange fand nur verrückt, dass sie es gut fand.
Wie Crisje auch redete, der Lange konnte es nicht verstehen.
„Warum legst du ihn dann nicht ins Bett.“
Doch das ging nicht, Jeus wollte auf dem Boden liegen.
Nun, das wollte der Lange doch mal sehen.
Er nahm den Kleinen hoch, legte ihn auf den Boden und wollte das Kind zwingen, zu schlafen.
Jeus schrie Zeter und Mordio.
Da konnte der Lange sagen:
„Siehst du, Crisje, man kann es auch übertreiben.
Kein Altweibergeschwätz, sondern mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben und glücklich sein.
Kein Geschwätz.“
Der Lange beförderte sich damit ins Abseits.
Crisje betrachtete das Kind weiterhin mit Aufmerksamkeit und der Lange bekam darüber nichts mehr zu hören.
Crisje stand mit beiden Beinen auf der Erde und bildete sich nichts ein.
Aber Jeus hatte etwas, sah etwas, was über ihr Auffassungsvermögen ging, was sie nicht sah, und woran der Lange nicht glauben konnte.
In der Küche ist es schön warm.
Der Winter ist wieder vorbei und Jeus wird schon langsam ein flinkes Kerlchen.
Es ist Frühling und der neue Sommer steht vor der Tür.
Über den vergangenen Winter konnten sie nicht klagen.
Es ist kein richtiger Winter gewesen.
Viel Regen und Wind, wenig Schnee und kein Eis, worüber die Leute sehr froh waren.
Ein strenger Winter bringt soviel Ungemach mit sich.
Heute legte sich Jeus wieder auf den Boden und wollte wieder schlafen.
Sie legte ein Kissen unter das Köpfchen, doch da begann das Kind wieder, zu schreien.
Sie nahm ihn hoch, doch das fand er noch schlimmer.
Er wollte schlafen und Crisje sollte ihn in Ruhe lassen.
Sie legte ihn zum Schluss wieder hin, beobachtete ihn jedoch weiter.
Was will er?, dachte sie.
Was will er bloß anfangen?
Jeus schlief ein und lag dort auf dem Boden so ruhig, als ob er in seinem Bettchen schlief.
Crisje sah, dass er zwar wieder normal atmete, dass aber die Schlafweise doch ein bisschen seltsam war.
Sie konnte es sich jedoch nicht erklären.
Sie setzt sich neben den großen Ofen und schaut weiter zu.
Allmählich fühlt sie, wie sie träge wird, ihr fallen die Augen zu und am helllichten Tage versinkt sie in einen tiefen Traum.
Es kommt ihr vor, als ob Jeus sie träumen lässt.
Sie folgt dem Kind, kommt frei und schwebt in den Raum.
Jeus ist auch in diesem Raum.
Du lieber Himmel, was wird sie jetzt erleben.
Crisje fühlt dieselbe heilige Stille in sich kommen, die sie hatte, als sie Jeus noch trug, und die sie niemals vergessen wird.
Die Erde sinkt unter ihr weg.
Sie befindet sich in einer anderen Welt und muss direkt an den „Vorhof Unseres Lieben Herrgotts“ denken.
Die Stille, die Crisje jetzt um sich fühlt, ist wie die – kann sie wagen, es zu sagen – ... des Tabernakels, wenn der Herr Pastor die heilige Hostie in die Hände nimmt.
Es ist heraus und offensichtlich lebt sie noch.
Sie hätte wohl sterben können, bedenkt sie.
Jeus fliegt ihr voraus und zieht sie mit.
Plötzlich erschrickt sie, denn es wird an der Tür geklopft.
Es ist ein Bettler.
Crisje ergreift etwas, drückt es dem Mann in die Hände und setzt sich wieder in ihre Ecke.
Unmittelbar ist sie wieder in denselben Zustand zurückgekehrt und verfolgt ihren Traum.
Sie sieht jetzt prächtige Bäume und Hunderte verschiedener Blumen in einer strahlenden Welt, die nur von Unserem Lieben Herrgott sein kann.
Crisje schaut sich um nach Jeus, denn sie sieht ihn nicht, spürt aber doch seine Nähe.
Je weiter sie wandert, umso schöner wird die Natur mit den Blumen und dem Licht.
Plötzlich erinnert sie sich ihrer Holzschuhe und ihrer Schürze und mit Schrecken bedenkt sie, dass sie so doch nicht weitergehen kann.
Sie kommt an einem Bach mit schön blau gefärbtem Wasser vorbei.
Auch das ist wieder so etwas Wundervolles, dass es entschieden nur im Vorhof Unseres Lieben Herrgotts zu finden ist.
Als Crisje in das Wasser schaut, erschrickt sie: „Bin ich das?“ denkt sie, als sie sieht, was für ein prächtiges Kleid sie anhat.
Sie ist dadurch ganz außer Fassung und kann es beinahe nicht verarbeiten.
Es ist ein schönes blaues Gewand, ihre Füße stecken in schönen silbernen Schuhen.
Ihre Haare sind blond und auf ihrer Brust glänzt ein Kreuz aus goldfarbenem Licht.
Ein Kreuz, das sie sich schon so lange wünscht, aber das der Lange ihr noch immer nicht geschenkt hat.
Das Kreuz scheint wohl aus reinem Gold zu sein, es ist ein heiliges Wunder, was sie erlebt.
Es scheint, als ob sie etwas größer ist als „sonst“!
„Ja!“, jauchzt es in ihr, „Ich bin im Vorhof Unseres Lieben Herrgottes!“
Hiervon hat der Herr Pastor ihr schon so viel erzählt und er sagte auch, dass es manchmal für Menschen, wenn sie noch auf der Erde leben, möglich ist, dort einen Augenblick hineinzuschauen, denn für Unseren Lieben Herrgott ist alles möglich.
Er zieht dann die, die guten Herzens sind, die Braven und die Einfachen, kurz zu sich und lässt dann den Menschen den „Vorhof“ sehen.
Ein großes Glück und gewaltige Gnade.
Dort kommt nicht jeder hinein.
Dann muss man leben wie ein Heiliger.
Das ist „selbstverständlich“, denn hier lebt Unser Lieber Herrgott.
Dies ist Seine Welt, Sein Himmel und jeden falschen Gedanken sieht er und dann muss man hinaus.
Darum gibt es auch nur wenige Menschen, die – wenn sie noch auf der Erde leben – Seinen Vorhof bewundern dürfen.
Die Menschen geben sich dafür auch keine Mühe, sie wollen die Gnade nicht einmal.
Und doch weiß Crisje, denn der Herr Pastor hat es ihr gesagt, wenn der Mensch an sich selbst arbeitet und das Leben Unseres Lieben Herrgotts liebt, ist jedem dieses Wunder beschieden.
Denn er ist ja der Vater der Liebe und schenkt Seinen Kindern gerne etwas von dem, was sie bereits verdient haben.
Was für prächtige Bäume.
Diese sind viel, viel schöner als auf der Erde.
Es ist fantastisch.
Sie sieht sich selbst als eine schöne Frau.
Oh, Unser Lieber Herrgott, wenn Hendrik sie jetzt einmal sehen und bewundern könnte.
Was wäre das für ein Glück.
Wie würde der Lange dann sein?
Er könnte es nicht verkraften.
Doch der Lange will dies nicht, Crisje.
Die „lange Bohnenstange“ lacht darüber.
Er steht mit beiden Beinen auf der Erde und hält sich für einen echten Mann!
Ob den Männern das nicht beschieden ist?
Doch, natürlich, Crisje, aber dafür muss auch ein Mann etwas tun.
Und das will ein Mann normalerweise nicht.
Ein Mann ist anders als eine Frau.
Wenn Crisje an den Langen denkt, kommen ihr die Tränen in die Augen.
Dies kann sie ihrem Langen nicht schenken!
Dies würde ihm jedoch Schwung und Höhe geben.
Dann würde seine Stimme, das fühlt sie, noch schöner.
Aber was kann sie tun?
Nichts!
Mit Jeus hat sie einen heiligen Kontakt, Jeus ist es.
„Jeus, der fliegt fort von dieser Welt!
Er kann außerhalb seines Körpers wandeln und zu den Himmeln gehen!
Ist das etwas, Crisje?
Jeus hat Schwingen.
Er kann aus der Welt gehen und hier verbleiben; hier, wo das Leben göttlich schön ist und worauf er abgestimmt ist.
Das heißt, wo seine Engel leben, denn die sind es, die ihn schweben lassen.
Und jetzt, Crisje, wollte der Engel, dass du mit ihm gingst.
Ist dies kein Wunder und keine Gnade?
Und schau jetzt einmal zu den Kathedralen.
Sind die nicht gewaltig?
Hier lebt Unser Herrgott nicht, aber dies ist nur eine Welt von den Millionen, die Er für uns geschaffen hat.
Es ist wahrlich der Vorhof zum Paradies.
Glaube es, Crisje, es ist die heilige Wahrheit, hier werden kein Unsinn und keine Lügen mehr erzählt!
Und hast du gedacht, dass Jeus dies aus eigener Kraft tun könnte?
Hast du wirklich gedacht, dass nicht alle Menschen dies erleben wollten?
Und hast du auch gedacht, dass wir nicht wissen, was wir tun wollen und dürfen und können?
Auch dies gehört zu dem, was du bereits erlebt hast und was noch geschehen wird.
Was du an dir selbst siehst, Crisje, ist dein geistiger Besitz, so wirst du sein, wenn du demnächst die Erde für immer verlässt und du durch den „Tod“ und deinen Sarg in das ewige Leben eintrittst.
Dies ist dein ewiger Körper, aber du wirst noch schöner werden.
Dieses Kleid, das doch schon so schön ist, wird noch schöner werden.
Du wirst wie eine Königin in diesem Paradies sein. Du wirst strahlen und dein Glück nicht fassen können, so groß ist es.
Hörst du die Vögel für dich singen?
Dies ist alles für dich „selbst“.
Du hast es verdient, Crisje.
Und mach so weiter, folge Jeus nur und du bekommst noch mehr von Unserem Lieben Herrgott, immer mehr und mehr, weil wir wissen, was wir dir geben können.
Aber pass jetzt auf.
Crisje erwacht.
Jeus auch, das Kind liegt dort auf dem Boden und schaut zu ihr auf.
Sie hebt ihn hoch und drückt ihn an ihr Herz.
„So, mein Jeus, kannst du in die Himmel schauen?
Kannst du dich von dieser schlechten Welt lösen?
Hast du die Kräfte Unseres Lieben Herrgotts in deinem Körper?
Mein Gott, wie bin ich glücklich mir dir!“
Sie küsst ihr Kind, wo nur Platz ist.
Dann überlegt sie es sich anders.
Das wird zu viel.
Ich darf das Kind nicht so küssen.
Jeus bekommt zu essen, Crisje folgt ihm, sie kann es nicht glauben, aber es ist die heilige Wahrheit.
Jeus ist ein Besonderer.
Er kann in den „Vorhof Unseres Lieben Herrgotts“ schauen und dort spielen und umherstreifen, mit den Vögeln und den Blumen reden.
Und das ist Jeus’ Spiel!
Er legt sich auf den Boden und spielt.
Niemals hat Crisje in ihrem Leben so etwas gesehen oder gehört.
Jeus, denkt Crisje, hat sein Essen wohl verdient.
Sie füttert ihn schön, sie betrachtet das Wunder.
Sie spricht jetzt innerlich, niemand darf es hören.
Die Leute lachen sie nur aus, und dafür ist es zu heilig.
Aber der Herr Pastor muss es wissen.
Wenn jetzt Hendrik einmal früher nach Hause käme.
Sie wird es ihm doch erzählen.
Der Lange kann dann sagen, was er darüber denkt, sie wird es ihm sagen!
Und wenn der Lange wieder lacht, wird sie schon sehen, was sie tut.
Aber ein Wunder ist es!
Und niemand nimmt ihr dies weg.
Kein Mensch dieser Welt.
Es ist ein Geschenk Unseres Lieben Herrgotts.
Crisje zieht ihre Schürze hoch und schaut auf ihre Holzschuhe und ihre Kleider, die sie jetzt trägt.
„Mein Gott, wie war ich dort doch schön“, kommt es über ihre Lippen, und das findet sie schon falsch.
Nimm mal an, dass Trui das gehört hätte.
Dann ist der Teufel los und dann wird noch über sie getratscht.
Trui würde es ihr ausreden wollen, es ihr nicht gönnen und solange reden bis Crisje sagen würde: „Ich habe es mir doch nur eingebildet, was, Trui?“
Erst dann ist Trui zufrieden.
Aber das schafft sie nicht so leicht.
Dieses Mal hält sie den Mund.
Crisje weiß selbst, dass keine Mutter aus dieser ganzen Gegend so etwas durch ihre Kindern erleben wird.
Wie strahlend war das Kreuz.
Und dann das prächtige blaue Kleid.
Sie legt Jeus ins Bettchen.
Er schläft schon.
Auch das ist ein Wunder für sie.
Dieser Schlaf und das andere Schlafen sind verschieden.
Das kann man sofort sehen, denkt Crisje.
Wenn der Lange jetzt nur käme.
Es dauert wohl lange, aber dann hört sie seinen Schritt.
Die Tür fliegt auf und schon hat der Lange sie geschnappt.
Crisje schwebt wieder zwischen Himmel und Erde.
Und auch jetzt, schießt es ihr durch den Kopf, ist dieses Schweben mit dem Langen anders als das Schweben, das sie heute Mittag hatte, durch Jeus.
Der Lange setzt sie auf seine Knie und dann folgen die Fragen:
„Wie waren die Jungen, Cris?“
„Keine Klagen, Hendrik.“
„Sonst noch etwas, Cris?“
Der Lange schaut ihr in die Augen und sieht etwas.
Die Augen funkeln vor Glück, denkt der Lange.
In diesen Augen lebt etwas.
Aber was ist der Grund?
„Du hast etwas, Cris?“
„Ja, Hendrik, ich hab etwas.“
„Was hast du, Cris?“
„Erstens, Hendrik, das wird dich sicher freuen, Jeus hat heute Crisje und Langer gesagt.“
„Das ist ja allerhand, Cris?
Ist das wahr?
Hat er jetzt schon meinen Namen ausgesprochen?
Das ist früh, oder, das ist sozusagen klug, Cris.“
„Ja, Hendrik, und so deutlich, so wie du und ich es sagen können.
Genau wie ein erwachsener Mensch, klang es.
Du kannst verstehen, dass ich glücklich war.
Trui lachte mich aus, natürlich, sie fand nichts dabei, aber das kennen wir.“
„Warum bist du denn auch zu ihr gegangen, Cris?“
„Ach, Hendrik, wenn man glücklich ist, will man auch andere Menschen glücklich machen, aber sie wollen nicht glücklich sein.
Ich bin schnell wieder nach Hause gegangen.
Aber nun etwas anderes, Hendrik.“
„Hast du noch mehr, Cris?“
„Das Schönste kommt noch.
Wenn du mich nicht zum Narren hältst, Hendrik, werde ich dir von einem Wunder erzählen.“
Der Lange wird neugierig.
Er bittet sie schon, anzufangen.
Crisje muss erst kurz nachdenken, doch dann kommt die Geschichte:
„Es fing hier in der Küche an, Hendrik.
Jeus lag hier und schlief.
Und was ich auch tun will, er will auf dem Boden schlafen.
Ich nahm ihn hoch und da fing er an zu schreien.
Ich dachte: Was will er bloß machen?
Dann habe ich mich in diese Ecke gesetzt und bin eingeschlafen, aber ich fing an zu träumen.
Jeus schlief auch.
Und dann flog ich mit ihm von dieser Welt weg.
Ich schwöre dir, Hendrik, ich kann nicht lügen und bin nicht verrückt, aber ich habe den Vorhof Unseres Lieben Herrgotts gesehen.
Wohin beinahe kein Mensch kommt, da waren wir.
Jeus war in meiner Nähe, ich spürte ihn überall, Hendrik.“
Der Lange muss sich Mühe geben, nicht zu lachen, bleibt aber doch ernst.
Sollte das wahr sein?
„Du hast dir doch nichts eingebildet, oder, Cris?“
„Nichts, Hendrik, nichts, oh, Hendrik, ich war dort so schön.
Du hättest mich sehen müssen, Hendrik.“
Der Lange findet jedoch, dass dies doch zu weit geht.
Als er fragt: „Bist du denn noch bei Verstand, Cris?“, spürt sie schon, dass der Lange mit ihr Spott treibt, und das ist eine ganz schreckliche Situation.
In ihrem Herzen weint sie schon und etwas zerbricht.
Oh, wenn der Lange einmal so wäre wie sie.
Wenn er einmal einen Augenblick lang, nur ein wenig davon glauben könnte?
Mein Gott, jammert Crisje, wenn, wenn ... wenn er einmal so wäre, was dann?
Ja, was dann?
Dann ... ja dann ... schwebten sie beide und dann wäre das Glück noch stärker, die Liebe noch tiefer.
Jetzt muss der Lange zurückbleiben.
Aber sie wäre nicht Crisje, wenn sie sich nicht beherrschen könnte.
Sie sagt zum Langen:
„Siehst du, Hendrik, genau davor hatte ich schon Angst.
Du kannst darüber denken, was du willst.
Ich sage dir, ich war dort!“
Crisje hat vergessen zu sagen, dass sie einem Bettler etwas gegeben hat, aber daran denkt sie nicht mehr.
Sie wird es jedoch bald oder morgen sicherlich in ihrer Börse sehen, denn sie gab dem Mann eine Mark, und das ist viel zu viel für so einen Pflastertreter.
Doch jetzt kommt der Lange ihr entgegen und fragt:
„Fühlst du das, Cris?
Ist das fühlen?
Kannst du durch Fühlen in die Himmel sehen?“
„Ja, Hendrik“, sagt sie, um zu retten, was zu retten ist, „durch Fühlen bekommt man alles.“
„Dann werde ich ihn einmal holen, Cris.“
Und bevor Crisje etwas dagegen tun kann, ist der Lange schon bei dem Kind und holt das Leben aus seinem Bettchen.
Der Lange spricht zu Jeus.
Dem gefällt das.
Er schreit nicht einmal, sondern lacht seinen Vater an.
„Wirst du mich jetzt auch etwas fühlen lassen, Jeus?
Komm, schau deinen Vater einmal an.
Los jetzt.
Ich will auch etwas fühlen.“
Jeus schaut umher und will alles in seine Händchen nehmen.
Der Lange wartet, Crisje betrachtet Vater und Kind.
Plötzlich fängt der Lange an, so laut zu lachen, dass sie ihn draußen bestimmt hören können.
Er kann sich nicht beruhigen.
Crisje weiß nicht, was los ist, aber sie fühlt sich doch ein bisschen beleidigt.
Warum hat sie es dem Langen nur erzählt?
Sie hätte wissen können, dass dies nichts für ihn ist.
Hendrik lacht weiter.
Bis sie endlich fragt:
„Worüber lachst du denn, Hendrik?
Ist denn da so viel zu lachen?“
„Cris ...“, sagt der Lange, „hör doch auf ..., ich lach mich noch kaputt.
Er hat mich etwas fühlen lassen, Cris!
Schau doch selbst, er hat mir die ganze Hose nass gepinkelt.
Ist das nicht genug, Cris?“
Das ist jetzt etwas, woran auch Crisje nicht gedacht hat.
Dies trifft auch ihr Herz.
Auch sie muss darüber lachen und es besänftigt ihren Verdruss ein wenig.
Sie nimmt Jeus.
Er bekommt eine trockene Windel.
Der Lange kann sich selbst helfen.
Was für Szenen sie doch erleben, denkt der Lange.
Jeden Tag gibt es etwas anderes.
Aber den Vorhof hat er nicht gesehen.
Was Crisje jedoch reizte, waren die Worte des Langen, die dieser zu Jeus rief:
„Du kannst fühlen, was du willst, sein, was du sein willst, tun, was du tun willst, aber pinkeln kannst du auch, das will ich dir nur ... sagen!“
„Ach, der Lange“, denkt Crisje, „darüber muss man auch noch lachen, ob man will oder nicht, man kann ihm nie böse werden!“
Am nächsten Morgen ist Crisje schon früh in der Kirche.
Jetzt bekommt der Herr Pastor ihre Geschichte zu hören.
Aber der lacht nicht.
Der Herr Pastor hört mit vollem Interesse zu, und als sie ihre Erfahrung erzählt hat, sagt der Seelenhirte:
„Crisje, das ist eine Gnade Unseres Lieben Herrgotts.
Oh, Crisje, wie machst du mich glücklich – zu wissen, dass ich Gemeindemitglieder habe, denen diese Gnade zuteilwurde.
Oh, Crisje, es ist außergewöhnlich.
Aber erzähle es um Himmels willen niemand anders.
Davon bekommst du nur Ärger.
Und das ist wahrhaft zu verrückt, dafür ist es zu heilig.
Was sagte Hendrik denn, Crisje?“
„Der hat gelacht, Herr Pastor.“
„Nicht schlimm, das ist nichts für Hendrik.
Aber du kannst es begreifen, nicht wahr, Crisje?“
„Ja, Herr Pastor, natürlich!“
„Siehst du, Crisje, so selbstverständlich, wie du glaubst, ist das nicht.
Andere können das nicht, und dann bleibt von all dem Heiligen nichts mehr übrig.
Verschließe es in deinem Herzen, rede nicht mehr darüber, Crisje, und danke Unserem Lieben Herrgott für alles.
Ich habe es mir schon gedacht, Crisje, als ich Jeus zum ersten Mal sah, fühlte ich auch schon etwas.
Ich fühlte die Stille, und du hast jetzt gesehen, was das ist.
Was werden wir noch mit diesem Kind erleben?
Ich werde für ihn beten und ihn den Engeln anbefehlen.
Auf dass sie ihn beschützen.
Bete nun fünf Gegrüßet-seist-du-Maria, und, wenn du mehr davon machen willst?
Ich finde es ausgezeichnet, Unser Lieber Herrgott hat dich gesegnet!“
Als der Lange hört, das Crisje es dem Herrn Pastor erzählt hat, fragt er:
„Was hat er gesagt, Cris?“
Jetzt muss Hendrik erst einmal zuhören.
Crisje fügt nichts hinzu, er bekommt die volle und reine Wahrheit.
Wie hört der Lange jetzt zu?
Ist das etwas, Cris?
„Wenn er das begreifen kann, Cris, habe ich nichts mehr zu sagen.
Ich kann es nicht begreifen, denn ich bin noch ein Stück von Unserem Lieben Herrgott entfernt.
Ich bin groß, Cris, Langer sagen sie zu mir, aber das hilft dir auch überhaupt nichts.
Das siehst du nun selbst.
Aber du hast es ja nun erlebt!“
Ein Kind von wenigen Monaten schaut ... ins Paradies.
Wenn ein Kind zu einer Trompete kriecht und laut trompeten kann, kann man das hören und sehen.
Man glaubt es!
Es gab mehr Kinder auf dieser Welt, die etwas sahen, bevor sie eigentlich anfingen zu sehen, aber die Kinder waren apathisch.
Meistens wurden sie hinter Gitter gebracht oder sie waren verhext.
Crisje weiß jetzt, dass sie ihren Mund halten muss, sonst geht ihr Jeus denselben Weg.
Sie wird schweigen!
Schweigen wie ein Grab!
Aber, weiß sie jetzt, sie hätte dem Langen eine Orchidee von ungekannter Schönheit schenken können.
Er hätte einen Kuss von ungekannter Reinheit bekommen können!
Und der Lange hätte eine Königin sehen können.
Jetzt sieht und hört er nichts.
Er steht wieder völlig daneben!
Wie schade, denkt Crisje, es hätte so ungeheuer schön sein können!
Nein, diesen Kuss bekommt der Lange noch nicht.
Dieser Kuss lebt jedoch in ihr.
Sie kann ihn ihm so schenken, der Lange spürt ihn jedoch noch nicht ...
Auch wenn man den entsprechenden Schmatz draußen auf der Straße hört.
Er spürt diesen Kuss nicht!
Und auch das ist zu spüren, zu hören.
Aber gibt es diesen Kuss?
Der Lange sagt: „Nein, dass ich nicht lache.“
Was habe ich dir gesagt, Langer?
Hier stehst du schon!
Hiervon bekommst du nichts!
Nichts.
Vielleicht später, aber das dauert noch etwas!
Crisje denkt an ihr Kreuz ...
Wird sie? ...
Vielleicht ... Man kann nie wissen.
In ihrem Herzen fühlt sie ein Kribbeln ...
Und in den Augen von Jeus sieht sie dasselbe Kribbeln ...
Eins und eins ist jetzt sechs.
Dies sind jedoch Millionen Augen, Augen und Küsse!!!
Wenn der Tag um ist, kommt der nächste!
In den will sie schauen und niemals zurück!
Niemals!
Wir machen weiter!
Selbst ihr Schritt ist jetzt verändert, auch wenn sie auf Holzschuhen läuft!